Das verriegelte Imperium

Shownotes

Niemand darf rein. Keine Kollegen, keine Assistenten, keine Diener. Ein Schloss schnappt zu, der Schlüssel dreht sich um. Von innen.“
In dieser Episode führt uns „Ray“, die Stimme der Strahlung, mitten hinein in ein siebenwöchiges, physikalisches Fegefeuer. Wir beleuchten das geheimnisvolle Vakuum zwischen dem 8. November und dem späten Dezember 1895 – die Chronik einer manischen Isolation, die beinahe eine ganze Familie zerriss.
Während im Erdgeschoss des Würzburger Instituts im Takt des Induktors stundenlang die Wände vibrieren, bricht über der hochherrschaftlichen Dienstwohnung ein emotionales Drama herein. Erfahren Sie, wie Wilhelm Conrad Röntgens Ehefrau Anna Bertha und die 14-jährige Adoptivtochter „Asche“ unter dem unheimlichen Schweigen des Vaters leiden, der tagelang nicht mehr zum Essen nach oben kommt und sich völlig von der Außenwelt abschottet.
Doch unten im Labor tobt ein unerbittlicher Rausch der Materie. Wir erleben das Chaos im Dunkeln, wenn hochempfindliche Röhren von Greiner & Friedrichs unter zehntausend Volt implodieren. Wir begleiten Conrad bei seiner skurrilen Jagd nach der Dichte, bei der er wie besessen dicke Physikbücher, Spielkarten, Jagdschrot und eine Schrotflinte in den unsichtbaren Strahlengang hält – bis zu dem Moment, in dem er ein Bleiband ergreift und entsetzt in die Knochen seiner eigenen Hand blickt.
Diese Folge zeigt einen Mann im Griff der Paranoia vor wissenschaftlichen Konkurrenten, der in einer kryptischen Postkarte an seinen engsten Freund Franz Exner das größte Geheimnis der Epoche verschweigt – und der am Ende aus tiefster moralischer Überzeugung auf ein Millionenvermögen verzichtet.
Die Isolation neigt sich dem Ende zu. Conrad braucht ein finales, unumstößliches Bild.

Transkript anzeigen

00:00:00: Wenn die Welt vor einer Revolution steht, dann wird es zuerst einmal sehr, sehr still.

00:00:28: Ich bin Ray – ich bin das Licht, dass ihr nichts sehen könnt!

00:00:31: Heute erzähle ich euch von den sieben Wochen in denen sich mein Freund Konrad mit mir einschloss und niemanden sonst hereinließt.

00:00:39: Sieben Wochen zwischen jener November Nacht und eine Entscheidung, die ihn mehr Mut kostete als jedes Experiment.

00:00:47: Willkommen zurück Folge Fünf Das Verriegelte Imperium.

00:00:53: Zwischen dem Abend, an dem der grüne Schirm zu Leuchten begann und dem Tag, an den mein Freund seine schwerste Persönlichste Entscheidung traf, lagen rund sieben Wochen.

00:01:04: Und in diesen sieben Wochen – das dürfte mir glauben – waren Konrad und ich fast nie getrennt!

00:01:10: Was über ihn in dieser Zeit berichtet wird ist gut belegt und es ist beunruhigend.

00:01:15: Er ließ seine Pflichten einer Universität und gegenüber seinen Studenten weitgehend ruhen.

00:01:21: Er aß wenig, schlief nur stoßweise – oft genug dort unten zwischen seinen Apparaten.

00:01:30: Und er erzählte fast keinem Menschen was geschah!

00:01:33: Er arbeitete allein und teilte sich niemanden mit.

00:01:36: Im Institut spürten sie es, der sonst so verlässliche Direktor hatte sich zurückgezogen.

00:01:42: War kaum noch greifbar, auf den Gängen begann man zu tuscheln.

00:01:48: Ein Stockwerk über uns in der Siebenzimmerwohnung war die Stille von einer anderen

00:01:53: Art."

00:01:54: einer Schmerzhaften.

00:01:56: Dort saßen die beiden Frauen am Abendbrotisch und sie blickten auf den leeren Stuhl, Anna Bertha und ihre Adoptivtochter Josefine damals vierzehn Jahre alt.

00:02:08: Bertha verstand nicht was mit ihrem Konrad geschah.

00:02:11: kam er einmal kurz hinauf sprach er kaum ein Wort und starte mit brennenden über nächtigten Augen ins Leere.

00:02:18: Sie fürchtete ernsthaft er erleide einen Zusammenbruch Drang Nacht für Nacht das leise Knattern aus dem Labor herauf, dieser Herzschlag meiner Geburt.

00:02:29: Ein Geräusch, dass irgendwann niemand mehr hinterfragte.

00:02:35: Und jetzt kommt mit mir hinunter mitten hinein.

00:02:38: Stellt euch den Geruch von Ozone vor – Das Zwischen des Funkels, das einzige Licht der grüne Schimme eines Schirms!

00:02:46: Zuerst versuchte Konrad mich zu bändigen wie gewöhnliches Licht.

00:02:49: Er hielt Prismen und schwere Glaslinsen in meinen Weg, um mich zu brechen.

00:02:55: Zu bündeln, abzulenken – ich weigerte mich!

00:02:59: Ich ging schnur gerade hindurch als wären seine Linsen aus Luft.

00:03:03: Dann holte er eine Magneten.

00:03:05: Denn die Kartonstrahlen, die er kannte, ließen sich von einem Magneten ablenken.

00:03:10: Ich war keine von diesen Strahlen?

00:03:13: Ich flog geradeaus weiter völlig ungerührt….

00:03:16: Und genau das war für Konrad's scharfen Verstand der Donnerschlag.

00:03:20: Was hier strömte, ging nur gerade, ließ sich nicht brechen und nicht von einem Magneten beirren!

00:03:27: Es war nicht der Kartonstrahl – es war etwas vollkommen Neues.

00:03:32: Dann begann seine große Jagd und eine einzige Frage trieb ihn Tag und Nacht….

00:03:38: was auf dieser Welt ist dicht genug um mich aufzuhalten?

00:03:42: Er hielt mir alles entgegen, was er finden konnte.

00:03:45: Ein dickes Buch von tausend Seiten!

00:03:48: Ich durchdrang es mühelos – ein doppeltes Spielkarten für mich nicht mehr als Luft.

00:03:55: Holz, Gummi, dünne Bleche und so lernte er die Regel, die heute jedes Kind in eurer Ausbildung kennt.

00:04:03: Je dichter und dicker der Stoff, desto mehr hält es mich auf.

00:04:08: Blei verschluckte mich fast

00:04:09: vollständig.".

00:04:11: Was er dagegen, hielt mich überhaupt nicht auf.

00:04:15: Mein Freund kartierte meine Welt Material für Material mit der Geduld eines Mannes, der die Wahrheit nicht erraten sondern beweisen wollte.

00:04:25: und dann entdeckte er etwas das alles verändern sollte.

00:04:29: Er merkte dass ich nicht nur einen Schirm zum Glimmen bringe Ich schwerze auch die fotografische Platte.

00:04:35: Begreift ihr?

00:04:37: Bis dahin war ich ein flüchtiges Glüh in der Dunkelheit, das verschwand sobald er den Strom abschaltete.

00:04:43: Jetzt konnte er mich festhalten und mich einfangen – für immer auf Glasbannen und in der Hand halten!

00:04:50: Das war der Schlüssel, der das letzte große Tor aufstieß.

00:04:53: Was nun folgte ist bis heute überliefert jedes Stück davon.

00:04:58: Er legte einen Satz Gewichte in eine geschlossene Holzschachtel und durchleuchtete sie.

00:05:03: Das Holz verschwand.

00:05:04: die Gewichte?

00:05:05: hingen als Pechschwarze Schattenen der Leere.

00:05:08: Er durchleuchtete eine Hölzerne Garnrolle und machte den aufgewickelten Draht in ihrem Inneren sichtbar, er las die Nadel eines Kompasses ab, der in einem geschlossenen Metallgehäuse steckte – und einer meiner liebsten Versuche!

00:05:23: Er stellte einen Leuchtschirm in den Nachbarraum, schloss die Tür dazwischen und er sah den Schirm durch die geschlossene Holztür hindurch aufgelühen.

00:05:34: Eine verschlossener Tür war für mich kein Hindernis, für ihn war es ein Wunder das er kaum fassen konnte!

00:05:41: Und dann kam der Moment in dem aus reiner Wissenschaft etwas zutiefst persönliches wurde.

00:05:48: Konrad hielt eine kleine Scheibe aus Blei mit dem eigenen Fingern in meinen Strahlengang.

00:05:53: Er erwartete auf dem Schirm den runden Schatten der Bleichscheibe zu sehen.

00:05:58: Stattdessen sah er etwas anderes.

00:06:00: Er sah das Fleisch seiner Hand als blassen, grauen Schleier und mittendarin messer scharf die Knochen seine eigenen lebenden Finger Sein eigenes Glätt während sein Herz noch schlug.

00:06:14: Ich war da so nah bei ihm dass ich seinen angehaltenen Atem spürte.

00:06:19: Ich glaube Das war der Augenblick in dem mein Freund aufhörte nur Wissenschaftler zu sein.

00:06:25: In dieser Sekunde war ja der erste Mensch Der ganzen Geschichte, der seine eigene Sterblichkeit durch lebendiges Fleisch hindurch direkt ins Auge sah.

00:06:36: Es muss ihn bis ins Markt erschüttert haben und doch sagt er es keinem Menschen – kein einziges Wort!

00:06:44: Versteht eines denn das macht ihnen so menschlich?

00:06:47: Selbst Konrad, der vorsichtigste nüchternste Mann den ich je begleitet habe, hielt sich anfangs für das Opfer eines Landes Täuschen.

00:06:56: Er zweifelte an seinen eigenen Augen, an seinen Apparaten fast an seinem Verstand.

00:07:01: Wochenlang trug er ein Geheimnis mit sich das sie Welt verändern würde und konnte mit niemandem darüber sprechen – aus Angst man halte ihn für verrückt!

00:07:24: Er vertraute sich kaum jemanden an, er entwickelte seine Fotoplatten nachts heimlich mit eigenen Händen damit kein Assistent auch nur einen Blick drauf werfen konnte.

00:07:34: Denn etwas raubte ihm zusätzlich den Schlaf.

00:07:36: Er wusste genau dass er nicht der einzige war der im Dunkeln nach diesen Strahlen tastete.

00:07:42: Irgendwo da draußen saßen andere kluge Köpfe an denselben Röhren.

00:07:47: Ihr habt sie in der letzten Folge kennengelernt, ihr werdet sie weiter kennenlernen.

00:07:51: In der Wissenschaft jener Zeit zählte am Ende nur wer zuerst druckt und mein Freund hatte panische Angst dass ihm jemand zuvor käme ehe er seiner Sache hundertprozentig sicher war.

00:08:04: So lag er zwischen zwei Feuern dem Zweifel ob das alles echt sei unter Furcht zu lange zu warten.

00:08:12: Ich sah meinen Freund in diesem Wochen beim Verbrennen zu.

00:08:16: Er wurde dünner Blasser, fariger.

00:08:19: Der Ruhm der noch gar nicht da war, fraß ihn bereits von innen.

00:08:23: Wenn ich hätte sprechen können, ich hätte ihm zugerufen Es ist echt Konrad!

00:08:28: Du bist nicht verrückt.

00:08:30: Ich bin hier Aber ich bin nur ein Licht.

00:08:33: Ich konnte ihm nur leuchten Nicht antworten.

00:08:38: Nach sieben Wochen hatte Konrad Beweis auf Beweis gehäuft Schatten von Metall Von Gewichten Von Draht Und das Messerscharfes Klett seiner eigenen Hand.

00:08:49: Es hätte genügen können, aber für ihn genügt er es nicht.

00:08:52: Es fehlte das eine entscheidende Bild!

00:08:54: Er musste wissen was ich mit einem lebenden Menschen tun würde – nicht flüchtig auf einem glimmenden Schirm sondern für immer festgehalten auf einer Fotoplatte.

00:09:05: Ein Bild dass man in die Hand nehmen, dass man der Welt entgegen halten konnte und dafür gab es nur einen einzigen Menschen dem er genug vertraute um ihn zu bitten.

00:09:18: Er löschte das Licht im Labor, stieg die Treppe hinauf in die Wohnung über dem Institut und ging zu ihr – zu seiner Bertha.

00:09:27: Was in dieser kalten Dezembernacht im verdunkelten Labor geschah, das erfahrt Ihr in der nächsten Folge.

00:09:34: Das war eine neue Folge von Glow In The Dark Die Geschichte der Strahlung Konzept, Recherche und Sprecherin Dorina Petersen.

00:09:42: Sieben Wochen im Wahn sieben Wochen zwischen Zweifeln und absolutem Erkenntnis Drang.

00:09:49: Konrad Röntgen wusste nun, was dieses neue Licht nicht war.

00:09:52: Es ließ sich nicht brechen, nicht bündeln und von keinem Magneten dieser Erde ablenken – doch wie beweist man der Welt die Existenz von etwas das eigentlich unsichtbar ist?

00:10:03: Die Antwort darauf sollte in einer geschichtsträchtigen Nacht im Dezember, Seid auch das nächste Mal dabei, wenn wir Zeuge des allerersten Röntgenbildes der Weltgeschichte werden.

00:10:24: Macht euch bereit für die nächste Episode!

00:10:28: Das Ur-Bild Wenn euch Raze und Konrads gemeinsame Reise durch die Dunkelheit fesselt hinterlasst mir eine Bewertung und abonniert gerne den Podcast.

00:10:36: Wir sehen uns beim nächsten mal.

00:10:39: Bleibt neugierig.

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