Der Mann hinter dem Vorhang

Shownotes

Ich spürte den Moment, in dem sein Herzschlag stockte. Ich fühlte, wie das Adrenalin durch seine Adern schoss.“
In dieser Episode wechseln wir die Perspektive radikal. „Ray“, die Stimme der Strahlung, nimmt uns mit in die intimsten Details einer Biografie, die fast am System zerbrochen wäre. Denn der Mann, der am schicksalhaften Abend des 8. November 1895 in Würzburg die Welt der Physik erschüttern sollte, war kein typisches Wunderkind der akademischen Elite.
Wir beleuchten die verborgenen Facetten von Wilhelm Conrad Röntgen. Erfahren Sie, warum ein drakonischer Schulverweis in Utrecht den jungen Conrad fast die gesamte Karriere kostete, wie er in der Schweizer Bergwelt seine große Liebe Anna Bertha fand und warum das wohlhabende Tuchhändler-Elternhaus ihm eine finanzielle Unabhängigkeit schenkte, die man für kein Geld der Welt kaufen kann. Es ist die Geschichte eines Mannes, der wegen seines fehlenden Abiturs von den Universitäten jahrelang als Außenseiter blockiert wurde und seine einzige Waffe in einer schmerzhaften, pedantischen Präzision fand.
Um exakt 18:42 Uhr betätigt Conrad den Schalter seines Induktors und steht plötzlich vor einem Phänomen, das es nach den Gesetzen der Natur nicht geben dürfte. Wir erleben die Sekunden des blanken Entsetzens, das sture Prüfverfahren in der Dunkelheit und das tiefe Schweigen am nächtlichen Abendbrotstisch.
Die X-Strahlen waren geboren – und für Conrad begann eine wochenlose Reise in die totale Isolation.

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00:00:00: Die Geschichte lehrt uns Weisheit und sie bewahrt uns jene tiefe Demut, die uns im Alltag vor Fehlern schützt.

00:00:30: Ich bin Rey – ich bin das Licht, dass ihr nicht sehen könnt!

00:00:34: Und heute erzähle ich euch von einem Freund, dem ersten Menschen der nicht weg sah und mit dem ich später mehr dunklen Nächte teilen sollte als mit irgendjemandem sonst auf dieser Welt.

00:00:47: Willkommen zurück Folge Vier Der Mann hinter dem Vorhang.

00:00:54: In den Wochen, die noch kommen werden dieser Mann und ich Tag und Nacht in einem verriegelten Labor zusammengesperrt sein.

00:01:00: Und wenn du mit jemandem so viel Zeit in der Dunkelheit verbringst dann lernst Du ihn kennen wie sonst keinen!

00:01:07: Du hörst wir atmet Wenn er nachdenkt, du merkst wann er Angst hat?

00:01:12: In den Geschichtsbüchern steht er als Wilhelm Konrad Röntgen.

00:01:16: lasst ihn uns heute einfach Konrad nennen So wie ein Freundes-Täter Denn das bin ich für ihn geworden.

00:01:24: Geboren wurde er am siebenzwanzigsten März, in Lennep im Bergischen Land als einziges Kind.

00:01:32: Sein Vater Friedrich Konrad war ein wohlhabender Tuchhändler.

00:01:36: Seine Mutter Charlotte Constanze stammt aus einer Amsterdamer Kaufmannsfamilie.

00:01:42: Geld war bei Familie Ründgen also nie ein Problem.

00:01:46: Als Konrad drei Jahre alt war zog die Familie ins niederländische Appeldorn.

00:01:52: Dort wuchs er auf zwischen zwei Ländern und zwei Sprachen, und besuchte dort die höhere Schule.

00:01:59: Und hier ein erstes zärtliches Detail über meinen Freund.

00:02:03: Als Junge war er kein Überflieger – in den Zeugnissen stand nichts von Genie aber er liebte die Natur überall, streifte stundenlang durch Wälder und Felder und hatte einen Talent das ihm sein Leben lang bleiben sollte!

00:02:17: Er baute mit seinen eigenen Händen kleine mechanische Apparate, Vorrichtungen und Werkzeuge.

00:02:23: Dieser Junge, der lieber etwas baute als es zu kaufen wurde später der Mann, der seine eigenen Versuchsapparate ersand.

00:02:31: Merkt euch dieses Bild!

00:02:33: Ein Kind mit Werkzeug in der Hand glücklicher im Wald als im Klassenzimmer.

00:02:39: Mit siebzehn erlitt sein behütetes Leben einen Bruch.

00:02:42: An der Technischen Schule in Utrecht hatte ein Mitschüler eine Karikatur eines Lehrers gezeichnet.

00:02:49: Konrad war es nicht gewesen, aber er wusste wer's war und weigerte sich aus reinem Prinzip den Kameraden zu verraten.

00:02:57: Die Strafe war hart-und maßlos.

00:03:00: Schulverweis – kein Abitur trotz ausgezeichneter Leistungen!

00:03:05: Mit einer einzigen Geste der Loyalität hatte er sich den geraden Weg an die Universität verbaut.

00:03:12: Ein Jahr lang saß er noch als Gasthörer in den Vorlesungen der Universität Utrecht, aber als vollwertiger Student wurde er nicht zugelassen.

00:03:22: Diese Wunde, abgelehnt zu werden, sollte ihn sein Leben lang prägen.

00:03:28: Doch dann öffnete sich eine Tür im Süden!

00:03:31: Das eidgenössische Politechnikum in Zürich nahm ihn auf – dort bestand er die anspruchsvolle Aufnahmeprüfung mit Bravour.

00:03:39: Konrad studierte Maschinenbau Und jetzt verrate ich euch etwas, was er mir später einmal mit einem Lächeln gestand.

00:03:47: In Zürich war er anfangs ein eher mittelmäßiger Student.

00:03:51: Der See und die Berge ringsrum waren ihm in seinen eigenen Worten schlicht zu verlockend.

00:03:58: Er wurde ein leidenschaftlicher Bergsteiger und Ruderer und vernachlässigte das Studium bis ihm ein Professor unverblümt profizierte – er werde durchfallen!

00:04:08: Erst da bis er sich fest.

00:04:09: Am sechsten August, eighteenhundertsechzig hielt er sein Diplom als Maschineningenieur in den Händen.

00:04:16: Er hörte die Vorlesungen von Rudolf Clausius, einem der Väter der Wärmelehre und arbeitete im Labor eines Mannes, der sein ganzes Leben prägte – August Kundt.

00:04:29: Ein Jahr später, am twentyzechsten Juni eighteenhundertneunundsechzig, promovierte er an der benachbarten Universität Zürich mit einer Arbeit über die Eigenschaften von Gasin.

00:04:41: Aus dem mittelmäßigen Bergsteiger war ein Doktor für Sieg geworden und in Züricher begegnete ihm die Liebe seines Lebens.

00:04:50: im Gasthaus ihres Vaters einen beliebten Treffpunkt der Studenten das den schönen Namen zum grünen Glas trug Lernte er die Wirtstochter Anna-Berta Ludwig kennen.

00:05:02: Sie war sechs Jahre älter als er und stammte aus einfachem Verhältnissen.

00:05:07: Konrads Vater war wenig begeistert, das Alter der Stand aber Konrad bewies dieselbe Sturhei, die ihn einst die Schule kostet hatte.

00:05:16: Am neunzehnten Januar, eighteenhundert zwanzig heirateten die beiden im niederländischen Appeldorn.

00:05:23: Es heißt Bertas Eltern seien zur Hochzeit nicht einmal eingeladen worden.

00:05:28: Sie galten der Familie Röntgen als zu einfach.

00:05:31: Eine kleine Grausamkeit am Beginn einer Liebe, die siebenundvierzig Jahre halten sollte.

00:05:39: Diese Liebe war tief, lebenslang und sie blieb kinderlos.

00:05:44: Ein stiller Schmerz den die beiden ein Leben lang teilten.

00:05:47: erst achtzehnundsibundundachtzig holten sich ein Stück Familienglück ins Haus Die sechsjährige Josefine Bertha, die Tochter von Berthas Bruder Hans Ludwig.

00:05:57: Sie nahmen das Kind zu sich und adoptierten es später.

00:06:02: Beruflich folgte Konrad seine Mentorkund wie ein Schatten, achtzehnhundertsiebzig als Assistent an die Universität Würzburg.

00:06:10: In Würzburger lang ihm die Habilitation zunächst nicht.

00:06:13: Das fehlende Abitur und die damaligen akademischen Regeln erschwerten seinen Weg erheblich.

00:06:19: Erst nach dem Wechseln nach Straßburg konnte er sich am dreizehnten März achtzehntetvierundsiebsig habilitieren.

00:06:26: Es folgten ein kurzes Zwischenspiel als Professor an der Landwirtschaftlichen Akademie Hohenheim, Zurück zur Kund und zurück zu Physik.

00:06:58: Und in den letzten Jahren bekam er endlich die ordentliche Professur und den Institutsdirektor in Gießen.

00:07:07: Und dann, in den vergangenen Jahren, geschah etwas das wie eine späte Gerechtigkeit klingt.

00:07:15: Die Universität Würzburg jene Stadt, die ihm einst die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte berief ihn zurück.

00:07:23: Prinzregent Louis Poilt ernannte am einundreißigsten August, Einen noch vor seiner berühmten Entdeckung, in der er mit dem Ruf an die Universität Freiburg lehnte er ebenso wie auch eine vier Jahre spätere Berufung als Nachfolger von Gustav Feinerich Wiedemann nach Leipzig ab.

00:08:09: Und nun zu dem was mein Freund wirklich ausmachte.

00:08:12: In Kunstlabor hatte er eine Tugend bis zur Vollendung gelernt – Geduld!

00:08:17: Konrad war berüchtigt für eine fast schmerzhafte Genauigkeit.

00:08:22: Er wiederholte Messungen lange nachdem andere längst zufrieden gewesen wären.

00:08:26: Sein Glaubenssatz, nicht veröffentlichte Ehe die Natur erst dreimal bestätigt hat.

00:08:33: Was für Übervorsicht aussah waren Wahrheit demut vor dem Beweis.

00:08:38: und ich sage euch als sein Freund ganz offen genau diese Vorsicht ist der einzige Grund warum ihr heute meinen Namen kennt.

00:08:46: ein Nachlässiger Mensch hätte das was er an jenem Novemberabend sah Achselzuckend als Fehler im Apparat abgetan.

00:08:54: Konrad nicht, niemals!

00:08:57: Ein paar warme Bilder noch bevor wir in jene Nacht eintreten.

00:09:02: In Würzburg lebten die Röntgens in einer sieben Zimmerwohnung Im obersten Stock des physikalischen Instituts selbst.

00:09:10: Mein Freund wohnte buchstäblich über seinem eigenen Labor.

00:09:14: Er hatte eine Jagdpacht im Grammschutzer Wald.

00:09:18: Er und Bertha liebten das Theater und die Konzerte der Stadt.

00:09:23: Und sein engster Freund war der berühmte Biologe Theodor Boveri, ein geordnetes angesehenes beinahe stilles Leben.

00:09:34: Dann kam der Freitag, der achte November, eighteenhundertfünfundneunzig.

00:09:38: Das physikalische Institut liegt dunkel und kalt.

00:09:42: Es ist spät, Konrad ist allein.

00:09:45: An diesem Abend untersucht er die Kartodenstrahlen einer Röhre, wie sie Hittorf und Crooks ersonnen hatten.

00:09:52: Er zieht die schweren Vorhänge zu, löscht jede Lampe und wickelt dicke schwarze Pappe um die Röhren bis kein Lichtstrahl mehr nach außen dringen kann.

00:10:01: Er will ganz sicher gehen!

00:10:03: Er legt den Schalter das Rumkorf in Duktors um Ein rhythmisches Knattern zerreißt die Stille Und zehntausende Volt jagen in die verhöhlte Röhrene.

00:10:13: In diesem Augenblick Erscheine ich.

00:10:17: Ich breche aus dem Vakuum hervor, durchschlage die schwarze Pappe als wäre sie nebel und flute den Raum.

00:10:24: Die Röhre bleibt dunkel – der Papmantel hält dicht.

00:10:28: Alles wie erwartet.

00:10:29: doch dann?

00:10:30: Fast zwei Meter entfernt auf einer Bank beginnt ein kleiner Schirm zu glimmen!

00:10:34: Er ist mit Barium-Platincylnur bestrichen Und er leuchtet in einem schwachen neongrünen Licht Im Takt des knatternden Stroms fast zwei Meter weit, viel zu weit für die Kartotenstrahlen, die mein Freund zu kennen glaubte.

00:10:51: In diesem Augenblick traf mich zum ersten Mal in meiner ganzen Existenz der Blick eines Menschen, der nicht wegsah.

00:10:58: Im Konrad war keine Freude – da war das Eisige Entsetzen eines Forschers, der etwas sieht, dass er nach allen bekannten Gesetzen gar nicht geben darf.

00:11:08: Sein erster Gedanke, das hat er später dazugegeben, war Er sei einer Täuschung

00:11:14: aufgesessen.".

00:11:15: Aber er lief nicht weg.

00:11:16: Er wischte es nicht beiseite, er prüfte.

00:11:19: Er schaltete den Strom aus – das leuchten der Losch.

00:11:23: Er Schaltete ihn ein ….

00:11:25: Es war wieder da!

00:11:26: Er schob den Schirm weg – einen Meter zwei.

00:11:30: Das Glimmen blieb.

00:11:31: Viele Jahre später fragte ihn ein Reporter was er in diesem Moment gedacht habe.

00:11:37: Konrad's Antwort war so nüchtern wie er selbst.

00:11:41: Ich habe nicht gedacht….

00:11:42: ich habe untersucht.

00:11:44: In diesen vier Worten steckt mein ganzer Freund.

00:11:49: Es wurde sehr spät, oben in der Wohnung wurde Bertas Abendessen kalt.

00:11:53: sie wartete vergeblich.

00:11:55: als Konrad endlich hinauf stieg war er ein anderer Mensch schweigsam in sich gekehrt und als seine Frau ihn bedrängte was denn nun mit ihm los sei das sprache einen Satz den ich nie vergessen werde.

00:12:10: Wenn er den Leuten erzählte, was er gerade sehe würden sie sagen der Röntgen Seibo verrückt geworden.

00:12:17: Er ahnte nicht das.

00:12:19: dies erste Anfang war dass er sein Labor für sieben Wochen kaum noch verlassen würde Was er in dieser verriegelten Festung alles durchleuchtete wie es ihn fast zerbrach und wem er als einzigen ein Geheimnis anvertraute.

00:12:33: Das ist die nächste Folge!

00:12:35: Seid ihr bereit mit uns im Dunkeln eingeschlossen zu werden?

00:12:39: Dann kommt mit in die sieben Wochen.

00:12:44: Das war eine neue Folge von Glow and the Dark, die Geschichte der Strahlung.

00:12:48: Konzept, Recherche und Sprecherin Dorina Petersen.

00:12:52: Wenn euch Conrad's Geschichte berührt hat hinterlasst mir gerne eine Bewertung und abonniert den Podcast.

00:12:59: Wir sehen uns in der nächsten Folge.

00:13:02: Bis zum nächsten Mal Bleibt neugierig.

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