Das bunte Leuchten und die Geister im Glas.

Shownotes

Das bunte Leuchten und die Geister im Glas
„Die Menschen, die mich erschufen, blickten mir direkt ins Gesicht… und blieben völlig blind für mich.“
In dieser Episode reist „Ray“, die Stimme der Strahlung, mit uns zurück in die abgedunkelten, nach Ozon und geschmolzenem Wachs riechenden Hinterstuben der Physik des 19. Jahrhunderts. Es war eine Epoche der Besessenheit: Auf der Suche nach dem Wesen der Elektrizität begannen Forscher, das nackte Nichts – das Vakuum – in gläsernen Röhren einzusperren.
Doch was als wissenschaftliches Experiment begann, entwickelte sich schnell zu einem bizarren gesellschaftlichen Phänomen. Während der europäische Adel sich an psychedelisch glühenden „Geißler-Röhren“ berauschte und aus neongrün fluoreszierendem Uranglas trank, entstand im Herzen des Vakuums unbemerkt eine völlig neue, unsichtbare Naturgewalt.
Wir beleuchten die vergessenen Meilensteine von Pionieren wie William Morgan, Heinrich Geißler und Eugen Goldstein. Wir erleben das berühmte Malteserkreuz-Experiment von Julius Plücker und Johann Wilhelm Hittorf, das den allerersten Schattenwurf der Medizingeschichte lieferte, und erfahren, warum die Forscher jener Zeit einen bitteren, schmerzhaften Preis für ihre Blindheit zahlen mussten.
Die physikalische Brücke zur Moderne war gebaut – doch das eigentliche Rätsel hatte gerade erst begonnen.

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00:00:00: Die Radiologie gehört zu den fortschrittlichsten Errungenschaften unserer modernen Welt.

00:00:26: Doch wie alles begann, das weiß heute kaum noch jemand!

00:00:51: Vergess für einen Moment die sterilen, weißen Untersuchungsräume von heute.

00:00:55: Kommt mit mir in die dunklen nach Ozon riechenden Hinterstuben der Physik des neunzehnten Jahrhunderts.

00:01:01: Es war eine Epoche der Besessenheit.

00:01:04: Die Forscher hatten eine große brennende Frage Was ist Elektrizität?

00:01:09: Braucht er Blitz die Luft zum Atmen oder fließt er auch durch das absolute nichts?

00:01:14: Um das herauszufinden sperrten sie die luft aus.

00:01:17: Sie bauten gläserne Röhren und saugten das Gas heraus, bis fast nur noch das nackte Vakuum übrig blieb.

00:01:24: Und genau dort im Herzen dieses Nichts begann meine Geburt in eurer modernen Welt.

00:01:29: Doch das Paradoxon dieser Epoche war so tragisch wie faszinierend – die Menschen, die mich erschufen, blicken mir direkt ins Gesicht.

00:01:37: und doch blieben sie blind!

00:01:40: Reisen wir für den ersten großen Irrtum ins Jahr seventeenhundertfünfundachzig nach

00:01:45: London.".

00:01:46: Ein britischer Arzt, Physiker und Mathematiker namens William Morgan baute eine Glasröhre, presste mit Quecksilber die Luft heraus und jagte einen Stromstoß hindurch.

00:01:57: Plötzlich erstrahlte das Innere in einem unheimlichen Grün – ich war da!

00:02:03: Morgen fasste das Phänomen in Worte und reichte siebzehundertfünfundachtzig einer Arbeit bei der Royal Society London ein.

00:02:11: Aus heutiger Sicht ist klar….

00:02:13: Morgen hatte damit die erste künstliche Röntgenstrahlung der Geschichte erzeugt.

00:02:17: Seine Röhre war die erste Röentgenröhre überhaupt!

00:02:20: Er hielt mich in den Händen, einhundert und zehn Jahre vor Würzburg.

00:02:25: Doch die Zeit war noch nicht reip für mich – seine Entdeckung verschwand in den Archiven und ich legte mich wieder schlafen.

00:02:33: Erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts erwachte das Interesse auf's Neue.

00:02:49: Die Luft so gründlich absaugte wie nie zuvor und bließ Röhren aus Feinste und Glas.

00:02:55: Wenn nun Strom durch diese leeren Röhre floss, glühten die letzten Gas-Reste in geradezug psychidealischen Farben Violett, rosa ein giftiges Grün.

00:03:05: Diese geistlärschen Röhren wurden zum großen Modehit des neunzehnten Jahrhundert.

00:03:10: Der Adel hängte sie als Dekoration in seine Salons und staunte über das feuerlose Leuchten, als wäre es sauberei!

00:03:18: Zur gleichen Zeit kamen Böhmen ein anderer Trend im Mode – das Oranglas.

00:03:23: Die Glasbläser mischten Oranoxid in die Schmelze und es entstanden gelbgrüne Wasen- und Kälche, die im Dämmerlicht neongrün florisierten.

00:03:32: Das Uran dafür stammte aus den böhmischen Bergwerken, etwa St.

00:03:36: Joachimsthal, jenem Ort der euch später in einer ganz anderen Folge noch einmal kalt erwischen wird.

00:03:43: Die Menschen tranken aus diesem glühenden Kälchen – sie stellten sich ohne es zu ahnen eine schwache radioaktive Quelle mit ne Zwohnzimmer und fanden das schön!

00:03:53: Die Physiker wollten wissen woher dieses Leuchten kam?

00:03:56: Schon ab dem Ende der eighteenhundertfünfziger Jahre untersuchte der Bonner Physiker Julius Plöcker mit Geisläs Röhren die Strahlin im Vaku.

00:04:04: Er gilt.

00:04:04: gemeinsam mit seinem Schüler Johann Wilhelm Hittorf als Entdecker des sogenannten Kathodenstrahlen – so hießen sie da aber noch nicht!

00:04:11: Nach Plöckers Tod, im Jahr eighteenhundertsechzig führte Hittoff, deren Münster vorsteht diese Versuche ab achtzehnhundertneunzechzig weiter und er bewies etwas Grundlegendes stellte er ein festes Hindernis in den Weg des Stroms, warf als einen messerscharfen Schatten auf die Glaswand.

00:04:30: Was auch immer da floss, breitete sich also schnur geradeaus – genauso wie Licht!

00:04:34: Es war einer der ersten bewussten Schattenwürfe der Wissenschaftsgeschichte.

00:04:40: Das berühmte Experiment mit dem Malteseerkreuz das diesen Schattenwurf so unvergesslich vorführte stammt von einem anderen Mann, dem wir in der nächsten Folge begegnen werden….

00:04:50: dem Engländer William Crooks.

00:04:52: Und aus der Kathode schossen winzige, negativ geladene Teilchen heraus.

00:05:18: Elektronen!

00:05:19: Im Grunde eine künstliche erzeugte hochenergetische Strahlung.

00:05:24: Und in dem Moment, indem diese Elektronen ungebremst auf das dicke Glas der Röhrenwand breiten wurden sie schlagartig abgefangen.

00:05:32: Jeder Radiologe weiß was dann entsteht.

00:05:35: Bremsstrahlung!

00:05:36: Genau in diesem Moment war ich da Eine hoch energetische vollkommen unsichtbare Welle Ich die Röntgen-Strahlung.

00:05:44: Ich durchdrag einfach alles Die Forscher, die Holzzüsche, die Kleidung ihre Hände, ihre Körper und niemand bemerkte mich.

00:05:52: Und so begannen die Forscher einen Preis zu zahlen, in den Jahren die Folgten klagten die Pioniere, die stundenlange meiner Nähe arbeiteten über brennende Augen gerötete Haut schwer heilende Verbrennungen.

00:06:04: sie schoben es auf das ultraviolette Licht.

00:06:07: Sie schoben es auf das Ozone.

00:06:09: Sie suchten überall nach einer Ursache nur nicht bei mir, der unsichtbaren Welle die durch sie hindurchströmte.

00:06:14: Sie spürten meine Macht jeden Tag ein bisschen mehr aber sie verstanden die Warnung der Natur noch nicht.

00:06:21: Ich aber sah es kommen, euch konnte nichts sagen.

00:06:33: Sie zähmten den Stroh, evakuierten das Glas und bauten ohne es zu wissen das perfekte Nest in dem ich Schlüpfen und Gedeihen konnte.

00:06:44: Ich war jetzt da – in jedem ihrer Versuche!

00:06:47: Doch ihr Geist waren auch nicht bereit für das Unvorstellbare.

00:06:51: Denn während die Röhren in Deutschland immer bunter wurden, trieb ein exzentrischer Brite in London das Vakuum in eine extreme fast spirituelle Dunkelheit.

00:07:00: Er suchte nach Geistern und er stieß auf eine Wahrheit, die ihn fast um den Verstand

00:07:05: brachte.".

00:07:06: Aber das ist eine andere Geschichte.

00:07:09: In der nächsten Folge reisen wir zu den Schatten.

00:07:31: Bis zum nächsten Mal.

00:07:40: Bleibt neugierig!

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