Das Licht das nie erlischt
Shownotes
Episodenbeschreibung:
Eine schöne Theorie ist schnell aufgestellt – sie aufzugeben, wenn das Experiment widerspricht, ist wahre Wissenschaft. Als Henri Becquerel im Februar 1896 Uransalze in eine dunkle Schublade legte, ahnte er nicht, dass er kurz davor stand, die Radioaktivität zu wecken. In Folge 20 blickt Ray auf die dramatische Entdeckung jener geheimnisvollen Kraft, die keine Sonne und keinen Schalter braucht, sondern aus dem tiefsten Inneren der Materie brennt.
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00:00:00: Die Geschichte lehrt uns Weisheit und sie bewahrt uns jene tiefe Demut, die uns am Alltag vor Fehlern schützt.
00:00:29: Louis Pasteur hat einmal gesagt auf dem Feld der Beobachtung begünstigt der Zufall nur den vorbereiteten Geist.
00:00:36: Heute geht es um einen solchen vorbereitetem Geist – und um einem bewirkten Himmel, der die Welt veränderte.
00:00:43: Es ist nicht ganz meine Geschichte!
00:00:50: vor der ich euch schon ein paar Mal gewarnt haben.
00:00:53: An einem grauen Sonntag in Paris, aus einem Versuch, der eigentlich misslang erwachte sie – die Radioaktivität.
00:01:01: Der Mann, der sie weckte hieß Henri Becquerel.
00:01:04: Willkommen zurück Folge zwanzig Das Licht das nie erlischt.
00:01:11: Man sagt, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
00:01:14: Bei den Becquerels fiel er vier Generationen lang direkt ins Physiklabor.
00:01:19: Henri wuchs nicht einfach mit Wissenschaft auf.
00:01:22: Er wuchs zwischen ihren Instrumenten auf.
00:01:24: Sein Großvater hatte die Elektrizität erforscht, sein Vater das Licht – die Sonnenstrahlung!
00:01:30: Das Nachleuchten der Stoffe.
00:01:33: Henri übernahm später denselben Lehrstuhl am Pariser Naturkundemuseum und auch sein eigener Sohn würde Physiker werden.
00:01:41: Die Uransalze, mit denen er berühmt werden sollte waren deshalb kein zufälliges Zeug aus irgendeinem Schrank.
00:01:47: Sie stammten aus der Welt seines Vaters.
00:01:50: Henri stand auf den Schultern seines vaters und seines Großvaters, und schon bald würden Marie Curie und Ernest Rutherford auf seinen stehen.
00:01:59: Dabei wurde Henri nicht einfach Physiker weil sein Vater einer war.
00:02:03: Sein offizieller Weg führte ihn an die Ecolepolitechnik und danach an die Schule für Brücken- und Straßenbau.
00:02:10: Jawohl!
00:02:11: Brücken und Straßen.
00:02:12: Henri Becrel war ausgebildeter Ingenieur, und stieg in diesem Dienst sogar bis zum Chefingenieur auf – tagsüber also Infrastruktur.
00:02:21: Unterneben Licht, Kristalle, Magnetfelder und all die unsichtbaren Dinge, die ihn offenkundig mehr interessierten als Asphalt.
00:02:29: Schon seit Mitte der Achtzehnhundertsiebzigerjahre veröffentlichte er arbeiten wie magnetfelderpolarisiertes Lichtdreht über Infrarotstrahlung, in Kristallen, über das Nachleuchten der Stoffe.
00:02:43: Als er in den letzten Jahren seine Uransalze auf eine Fotoplatte legte, war er dreiundvierzig.
00:02:49: Kein junger Mann, der zufällig über etwas stolperte.
00:02:52: Vor dieser Schublade standen mehr als zwanzig Jahre Experimentierfahrung.
00:02:58: Sein Leben war früh von einem Schatten gezeichnet.
00:03:01: In den vergangenen Jahren wurde ein Sohn Jean geboren und wenige Wochen später starb Henri's erste Frau.
00:03:08: Er war fünfundzwanzig.
00:03:09: Vater eines Säuglings und plötzlich Wittber.
00:03:12: Dieser kleine Junge sollte Jahrzehnte später selbst Physiker werden, die vierte Generation.
00:03:17: Henri blieb nicht für immer allein.
00:03:19: Achtzehnhundertneinzig heiratete er wieder.
00:03:22: Kinder bekamen die beiden jedoch nicht – John bliebt sein einziger Sohn!
00:03:27: Wenn ihr Henri vor euch sehen wollt?
00:03:29: Ein schmales, ernstes Gesicht unter einer hohen Stirn.
00:03:32: der Bart ergraut ein kräftiger Schnurrbart darüber.
00:03:35: Dunkler Anzug steifer Kragen Ein Mann, der auf den Fotografien seiner Zeit aussieht als hätte er für Smalltalk ungefähr so viel Verwendung wie für eine schlechte Messreihe.
00:03:46: Ich mag solche Menschen – sie machen meine Geschichte meistens interessanter!
00:03:51: Und noch etwas gefällt mir an diesem Mann.
00:03:54: Anfang eighteenhundertsechsohnneunzig war Henri etabliert Professor Mitglied der Akademie Chef-Engineur.
00:04:01: Seine fleißigsten Forscherjahre schienen hinter ihm zu liegen.
00:04:05: Wäre seine Geschichte an diesem Punkt zu Ende gegangen, hätte niemand sagen können – er habe nichts erreicht.
00:04:10: Aber das wofür Milliarden Menschen seinen Namen heute noch kennen hatte er da noch gar nicht getan.
00:04:17: Manchmal kommt das Kapitel dass einen Menschen überlebt, erstaunlich spät in einem Buch.
00:04:22: Anfang eighteenhundertsechsohnneinzig war Paris im Fieber.
00:04:26: Überall sprach man von Konrads neuen Strahlen und Bildern die durch das Fleisch hindurch sahen.
00:04:31: In der Akademie der Wissenschaften saß auch Henri Und der Mathematiker Henri Poir-Carré war auf eine Frage in den Raum, die per Krell nicht mehr losließ.
00:04:41: Könnten diese neuen Strahlen dort entstehen wo das Glas der Röhre leuchtet?
00:04:46: Hängen sie mit dem Nachleuchten zusammen – mit der Phosphorescence?
00:04:50: Für Henri dessen Familie seit Jahrzehnten genau dieses nachleuchte und erforschte war das ein Stichwort wie für ihn gemacht.
00:04:57: Seine Vermutung Wenn ein fosforisierender Stoff sich im Sonnenlicht auflegt, strahlt er dann vielleicht auch solche durchdringenden Strahlen aus wie Konrad's Röhrer.
00:05:08: Er wickelte eine Fotoplatte in dickes schwarzes Papier, legte seine Uransalze darauf und stellte alles in die Sonne.
00:05:16: Nach dem Entwickeln lag der Schatten der Kristalle auf der Platte dunkel und deutlich.
00:05:21: Manchmal schob bei einem Münze oder einer ausgeschnittenen Metallform dazwischen – und ihre Umrisse erschien in nem Bild.
00:05:28: Henri machte Schattenbilder mit etwas, von dem er noch gar nicht wusste was es war.
00:05:33: Das kam mir ehrlich gesagt ziemlich bekannt vor.
00:05:36: Er war zufrieden mit sich – er glaubte die Antwort zu kennen!
00:05:39: Sonne lädt die Salze auf… Die Salze strahlen.
00:05:43: Eine schöne einfache Erklärung … doch sie war falsch.
00:05:47: Ende Februar, in den letzten Jahren hat sich der Himmel über Paris gezogen und bleibt grau.
00:05:52: Tag um Tag kein Sonnenstrahl, mit dem Henri seine Salze hätte aufladen
00:05:56: können.".
00:05:57: Also legte er die vorbereiteten Platten mit samt dem Uran in eine dunkle Schublade und wartete auf besseres Wetter.
00:06:04: Warum er die Platten am ersten März trotzdem entwickelte, wissen wir bis heute nicht genau.
00:06:09: Vielleicht war er neugierig vielleicht ungeduldig?
00:06:11: Vielleicht wollte er für die Sitzung der Akademie am nächsten Tag wenigstens wissen ob überhaupt etwas darauf war.
00:06:18: Die Geschichte erzählt diesen Moment gern so als hätte der Zufall alles erledigt.
00:06:22: hat er nicht!
00:06:23: Der Zufallen machte den Himmel grau.
00:06:25: Henri entwickelte die Platte, darin liegt der Unterschied.
00:06:29: Er erwartete ein Mattes Schämen, er fand kräftige scharfe Silhouetten, kein Sonnenlicht tagelang im Dunkeln und das Uran hatte mit unvermindeter Kraft gestrahlt aus sich selbst heraus.
00:06:41: Drei Generationen lang hatten die Bäckerels dem Licht Fragen gestellt.
00:06:46: Henri bekam seine wichtigste Antwort auf den Dunkeln – und das sagt viel über ihn!
00:06:51: Seine schöne Theorie war in diesem Moment tot.
00:06:55: Eine Theorie zu haben ist nicht leicht.
00:06:56: Sie aufzugeben, wenn das Experiment widerspricht?
00:06:59: Das ist
00:07:00: Wissenschaft.".
00:07:01: Henri hatte rechtzeitig bemerkt, dass er Unrecht hatte.
00:07:06: Er verteidigte seine Erklärung nicht.
00:07:08: Er ging dem Widerspruch nach.
00:07:09: Am zweiten März trat er vor die Akademie und berichtete, dass Uran sendet von ganz allein eine durchdringende Strahlung aus.
00:07:17: Die Fotoplatte hat ihm gezeigt, da etwas war.
00:07:20: Jetzt wollte er wissen, was.
00:07:22: Er hörte auf nur Bilder zu machen und begann zum Messen.
00:07:25: Deine Strahlung machte die Luft elektrisch leidfähig.
00:07:28: Uran salze.
00:07:29: die gar nicht nachleuchteten Strahlten trotzdem Und reines Uran-Metal strahlte am stärksten von allem.
00:07:36: Nach und nach fiel alles weg worauf seine erste Erklärung gebaut hatte Das Licht das Nachleuchten Die chemische Verbindung.
00:07:43: Übrig blieb ein einziger gemeinsamer Nenne – Uran!
00:07:47: Die Eigenschaft gehörte zum Element selbst.
00:07:50: Henri wusste noch nicht warum, aber er hatte die Spur bis zu ihrem Ursprung verfolgt.
00:07:56: Ich erkannte sie damals nicht – wie hätte ich auch?
00:07:58: Sie konnte Dinge, die ich nicht kann!
00:08:02: Mich muss ein Mensch erschaffen, eine Spannung anlegen, Elektronen beschleunigen, eine Röhre einschalten.
00:08:07: Ich komme wenn jemand den Schalter umlegt und ich gehe, wenn er ihn wieder
00:08:11: ausschaltet.".
00:08:12: «Sie braucht niemandem.».
00:08:14: »Aus den Augen aus dem Sinn« sagt ihr.
00:08:17: Für meine Verwandte galt das.
00:08:19: Henri konnte die Schublade schließen, sie strahlte trotzdem.
00:08:22: Während der schlief, während Paris erwachte als die Schuplade zu war keine Sonne kein Schalter kein Mensch.
00:08:30: Sie kam aus einem Ort das im Bauweise damals noch niemand kannte aus dem Inneren des Atoms.
00:08:36: Sie war meine Verwandte aber sie ward deutlich älter als ich sehr viel älTER!
00:08:41: Sie hatte Milliarden Jahre in der Materie gewartet bis endlich jemand bemerkte dass sie da ist.
00:08:47: Wenig später fand Henri noch etwas merkwürdigeres heraus.
00:08:51: Ein Teil dieser Strahlung ließ sich in elektrisch magnetischen Fällen ablenken, da waren also geladene Teilchen unterwegs.
00:08:58: Meine Verwandte war nicht einfach eine stärkere Version von mir – sie war komplizierter, viel stimmiger und bald würde ein junger Mann namens Ernest Rutherford anfangen ihre verschiedenen Stimmen voneinander zu
00:09:10: trennen.".
00:09:12: Und jetzt erwartet ihr wahrscheinlich das Paris-Kopfstand!
00:09:15: Tarte es aber nicht.
00:09:16: Henri hatte gerade eine grundlegende Eigenschaft der Materie entdeckt und die Welt war immer noch mit mir beschäftigt, mit den Röntgenstrahlung – sie waren überall!
00:09:25: Ärzte experimentierten, überall meldete man neue angebliche Strahlen.
00:09:30: Henri's Uranstrahlen gingen in diesen Rauschen bei nahe unter.
00:09:35: Interessant?
00:09:36: Ja… Aber zunächst nicht die Sensation, die wir rückblickend darin sehen ….
00:09:40: Eine Zeit lang wandte sich sogar Henri wieder anderen Fragen
00:09:43: zu.".
00:09:45: Meine Verwandte waren entdeckt worden und wäre fast überhört worden, bis eine junge Frau namens Marie Curie genauer hin sah.
00:09:53: Sie gab dieser neuen Eigenschaft der Materie später ihren Namen Radioaktivität.
00:09:59: noch kannte sie meine Verwandte kaum aber das würde sich ändern.
00:10:15: ausgesprochen schlechte Redewendung.
00:10:17: Jahre später trug er einmal ein kleines versiegeltes Röhrchen mit radiumhaltigen Material in seiner Westentasche, etwa sechs Stunden lang – kein Schmerz, keine Hitze und kein Warnsignal!
00:10:29: Erst rund zehn Tage später antwortete seine Haut eine Rötung genau unter der Tasche dann eine Wunde die nicht mehr heilen wollte.
00:10:37: Meine Verwandte hat ihn berührt und Henri hatte in dem Moment nicht das Geringste davon
00:10:42: bemerkt.".
00:10:43: Zu den Curies soll er später über Radium gesagt haben, ich liebe es aber ich grolle ihm.
00:10:49: Merkt euch das!
00:10:50: Die Geschichte der Radioaktivität wird ihn noch oft wiederholen nur mit anderen Namen.
00:10:56: In den letzten Jahren wurde Henri's Entdeckung mit dem Nobelpreis für Physik geährt.
00:11:01: Die eine Hälfte für ihn, die andere für Marie und Pierre Curie.
00:11:05: Und man erwies ihm eine seltene Ehre.
00:11:08: Als die Wissenschaft eine Einheit brauchte um die Stärke der Radioaktivität zu messen nannte man sie nach ihm.
00:11:14: Am fünfundzwanzigsten August, Ninzent acht starb Henri Becquerel überraschend in La Crosseq an der Bretonischen Küste.
00:11:22: Er war erst fünfundfünfzig.
00:11:25: die er geweckt hatte, nur wenige Jahre überlebt.
00:11:30: Henri!
00:11:31: Du dachtest du hättest an diesem grauen Sonntag eine Fotoplatte entwickelt?
00:11:35: In Wahrheit hast du eine Tür geöffnet.
00:11:38: Dahinter wartete Marie und Pierre, dahinter wartet der junge Rutherford, der deine Strahlung in ihre Teile zerlegen wird.
00:11:45: Dahinten wartete das Atom selbst.
00:11:47: Du bist einem Irrtum nachgegangen – du dachtst es sei die Sonne, die deine Seilzelt zum Strahlen
00:11:52: bringt.".
00:11:53: Und gerade weil der Himmel über Paris tagelang grau blieb, hast du die Wahrheit gesehen.
00:11:58: Ein Licht das aus sich selbst heraus brennt und niemals aufhört – ein kleiner Geist hätte die dunkle Schublade verflucht!
00:12:05: Du hast in ihr eine neue Kraft der Natur
00:12:07: gefunden.".
00:12:09: Diese Kraft wusste nichts von Medizin, nichts von Krebs, nix von einer Stadt namens Hiroshima.
00:12:15: Zitat einfach das was sie seit Milliarden Jahren getan hatte.
00:12:18: Gut und Böse würden erst die Menschen hinzufügen….
00:12:22: Heilung für Kranke, Bilder für Messwerte aus dem Inneren des Körpers, Energie aus Atomkernen und eines fernen Tages eine Wolke über einer Stadt deren Form kein Mensch je wieder vergessen würde.
00:12:36: Nichts davon konntest du sehen!
00:12:38: Du saß nur eine dunkle Silhouette auf einer Foto-Platte die eigentlich nicht hätte da sein dürfen.
00:12:44: Vielleicht war das auch gut so?
00:12:46: Manchmal zeigt die Geschichte einem Menschen nur den nächsten Schritt – den Rest tragen die nach ihm kommen.
00:12:52: Und meine Verwandte?
00:12:55: Sie liegt noch immer in der Materie, still unsichtbar zerfall für zerfall.
00:13:00: Jedes Mal wenn einer davon geschieht irgendwo auf der Welt.
00:13:03: in diesem Augenblick zählt die Menschheit ihn mit deinem Namen ein
00:13:08: Becrell.".
00:13:10: Das war eine neue Folge von Glow & the Dark – Die Geschichte der Strahlung.
00:13:14: Konzeptrecher und Sprecherin Dorina Petersen.
00:13:17: Wenn euch die Geburtsstunde der Radioaktivität berührt hat, dann lasst gerne eine Bewertung da und abonniert den Podcast.
00:13:23: Beim nächsten Mal reise ich zu dem Mann, der diese neue Strahlung auseinander nahm – ihre Teile benannte – und das Herz des Atoms öffnete.
00:13:32: Bleibt neugierig!
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