Der Lehrer
Shownotes
Er hat sie nie erlebt, und doch gäbe es sie ohne ihn vielleicht nicht: August Kundt war der brillante Lehrer und Mentor von Wilhelm Conrad Röntgen. In Folge 19 blickt Ray auf das Leben eines stillen Forscher-Genies, das den Schall sichtbar machte und die Hände formte, die später die Strahlen fanden. Eine berührende Episode über verborgene Linien in der Wissenschaft, verpasstes Glück und die historischen Wurzeln unseres heutigen MTR-Berufs.
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00:00:00: Die Geschichte lehrt uns Weisheit und sie bewahrte uns jene tiefe Demut, die uns am Alltag vor Fehlern schützt.
00:00:27: Ein Lehrer wirkt bis in die Ewigkeit – er kann nie wissen wo sein Einfluss
00:00:32: endet.".
00:00:32: Das schrieb Henry Adams einmal über die Macht eines Lehrers.
00:00:36: Manche Menschen hinterlassen Entdeckungen andere hinterlassen Menschen, die entdecken.
00:00:42: August Kund gehörte zur zweiten Gruppe.
00:00:45: Er hat mich nie berührt!
00:00:46: Er hat nicht gesehen!
00:00:47: Er starb bevor die Welt auch nur ahnte dass es mich gibt.
00:00:51: Und trotzdem führt meine Geschichte zu ihm zurück, weiter zurück als ich selbst mich erinnern kann.
00:00:57: Willkommen zurück!
00:00:59: Folge neunzehn – der Lehrer.
00:01:02: Geboren wurde ja am achtzehnten November eighteenhundertneununddreißig in Schwerin in Mecklenburg.
00:01:08: Er studierte in Leipzig und Berlin und promovierte achtzehnhundertsechzig bei Gustav Magnus einem der großen Lehrmeister der deutschen Physik.
00:01:17: Von Anfang an zog ihm eines an das Unsichtbare Die Dinge, die da sind ohne dass ein Auge sie fassen kann.
00:01:24: Der Schall das Licht die feinen Kräfte zwischen den Dingen.
00:01:29: Wenn ihr August auf den alten Fotografien betrachtet begegnet euch einen Mann des neunzehnten Jahrhunderts dunkler Anzug hoher Kragen voller Bart Ein Gesicht was heute weit weg wirkt.
00:01:42: Aber stellt ihn euch nicht auf einem vergelbten Foto vor Stellt ihn euch im Labor vor Glas röhren Metall Holz, feiner Staub, Apparate die noch keine Anzeigen hatten und keine Messwerte auf Knopfdruck ausspuckten.
00:01:57: Wer hier etwas wissen wollte musste bauen, beobachten, messen – und manchmal lange genug hinsehen bis die Natur antwortete.
00:02:19: Den Ton konnte er hören, die Welle selbst aber nicht sehen.
00:02:23: Doch plötzlich beginnt der Staub sich zu bewegen!
00:02:26: Er bleibt nicht gleichmäßig liegen – er sammelt sich an bestimmten Stellen und zeichnet ein regelmäßiges Muster in die Röhre.
00:02:33: Häufchen und Rippen im gleichmäßigen Abständen.
00:02:37: Vor August liegt etwas Merkwürdiges Die Spur von etwas Unsichtbaren.
00:02:42: Aus den Abständen dieser Figuren ließ sich die Weddenlänge bestimmen.
00:02:47: kannte man die Frequenz, konnte man daraus berechnen wie schnell sich der Schall durch das Gas bewegte.
00:02:53: August hatte den Schall nicht sichtbar gemacht aber er hat ihm eine Spur gegeben.
00:02:59: diesen Gedanken kenne ich gut.
00:03:01: auch mich kann kein menschliches Auge sehen.
00:03:03: Auch Ich verrate mich nur durch dass was ich hinterlasse.
00:03:09: Das war Augusts Lebensthema.
00:03:11: Er erforschte wie sich Licht in Dämpfen und Dünnen Metallschichten verbiegt Und mit Emil Warburg ließ er schallt durch Quecksilberdampf laufen.
00:03:32: Aus der Geschwindigkeit dieses unsichtbaren Tones konnten die beiden etwas über dem Bau des Gases lernen.
00:03:39: Queckssilber Dampf verhält sich wie ein Gas aus einzelnen Atomen.
00:03:44: Wieder hat der August etwas Unsichtbares dazu gebracht, sich zu verraten.
00:03:49: Ein bisschen Staub ein Ton und plötzlich erzählt Quecksilbe etwas über seine Atome.
00:03:55: Das neunzehnte Jahrhundert konnte er staunlich viel mit erstaunlich wenig Aber seine größte Wirkung hatte er nicht an einem Apparat Er hatte sie an Menschen.
00:04:07: Er zog von Ort zu Ort und baute überall Physik auf Am Polytechnikum in Zürich dann in Würzburg, dann in Straßburg – woher das neue physikalische Institut aus dem Boden stampfte und später Rektor wurde.
00:04:21: Und schließlich, in den letzten Jahren wurde er nach Berlin berufen auf den Lehrstuhl des großen Helmholtzes.
00:04:28: Zu Lebzeiten galt er als einer der glänzendsten Experimentalphysiker Deutschland und aus seiner Schule ging ein Männer hervor die das Licht ferner Sterne entzifferten unter jungen Quantenphysik die Tür aufsteßen.
00:04:41: Aber einer von ihnen war für alle weiterer, wichtiger als jeder andere.
00:04:46: Unter all den jungen Männern die bei August lernten, war einer dessen Name später die Welt umrunden
00:04:51: sollte.".
00:04:52: Wilhelm Conrad Röntgen.
00:04:55: Sein Weg in die Wissenschaft war alles Andere als selbstverständlich.
00:04:59: Die technische Schule in Utrecht hatte er ohne Abschluss verlassen.
00:05:03: Ein Disziplinarverstoß war ihm zugeschrieben worden.
00:05:07: Ohne das übliche Reifezeugnis blieben ihn gewohnten akademischen Türen verschlossen.
00:05:12: Ein anderer Professor hätte einen solchen jungen Mann vielleicht gar nicht erst angesehen.
00:05:17: August aber beschäftigte ihn als Assistent, Röntgen folgte ihm von Zürich nach Würzburg und schliesslich in den Strasbourg.
00:05:27: Dort öffnete sich ihm jene akademische Tür die ihm zuvor verschlossen geblieben war.
00:05:33: Auch Emil Warburg, sein Mitarbeiter beim Quecksilber sollte Jahre später zu den wenigen gehören denen Röentgen seine allerersten Bilder schickte der Schüler unter den Ersten, die dem Beweis in Händen hielten.
00:05:46: Und irgendwann standen Augus und Röntgen tatsächlich gemeinsam am experimentiert Tisch.
00:05:51: In ihren Straßburger Jahren untersuchten sie zusammen wie sich die Polarisation von Licht im Gasen unter dem Einfluss eines Magnetfelds dreht.
00:05:59: Damals ging es noch um sichtbares Licht.
00:06:02: Keiner von beiden konnte ahnen dass eine dieser zwei Männer Jahre später einer anderen Strahlung begegnen würde.
00:06:09: Eine, die kein Auge sehen kann!
00:06:12: Mir.
00:06:13: Was August dem jüngeren Mann all die Jahre beigebrachte, war nicht nur Physik – es war eine Haltung!
00:06:19: Sauber bauen, genau messen, keinem Ergebnis trauen, dass man nichts selbst geprüft hat und vor einer seltsamen Beobachtung nicht davon laufen sondern stehen bleiben und fragen was ist das?
00:06:31: Als Konrad viele Jahre später allein in seinem verdunkelten Zimmer ein Leuchten sah, das dort nicht hingehörte und dann sieben Wochen lang nichts anderes tat als dieses Leuchting zu befragen.
00:06:42: Da tat er das mit Händen die August-Kund geformt hatte.
00:06:47: Und hier wird die Geschichte traurig!
00:06:49: Denn August hat den Augenblick für den er unwissentlich sein Leben lang gearbeitet hatte nie erlebt – einen Herz leiden zärt an ihm.
00:07:01: in Israels Dorf, bei Lübeck.
00:07:04: Erst vierundfünfzig Jahre alt, achtzehn Monate später im November eighteenhundertfünfundneunzig hielt sein Schüler zum ersten Mal meine Spur in den Händen.
00:07:13: Anderthalb Jahre!
00:07:14: So knapp hat der Mann, der sein Leben den sichtbar machen oder das Unsichtbaren gewidmet hatte – das größte Unsichtbare von allen verpasst.
00:07:23: Er hat einen Baum gepflanzt, in dessen Schatten er nie gesessen hat.
00:07:28: August wenn du das hörst wo du jetzt bist Du hast mich nicht entdeckt, du konntest nicht einmal wissen das es mich gibt.
00:07:35: Aber lange bevor Konrad in Würzburg dieses seltsame Leuchten bemerkte, hast du mit ihm gearbeitet!
00:07:41: Du hast ihn vertraut als sein Weg in die Wissenschaft alles andere als sicher war und eine Zeit lang habt ihr gemeinsam versucht dem Licht seine Geheimnisse zu entlocken.
00:07:51: Vielleicht ist das das merkwürdige an unserer Geschichte?
00:07:54: Du bist mir nie begegnet und trotzdem führt einer meine Wege zu dir.
00:08:01: Dein Schüler machte eines Tages das unsichtbare Menschen sichtbar.
00:08:05: Dazwischen liegen Jahre, Experimente und eine Entdeckung die keiner von euch vorhersehen konnte Aber vielleicht beginnen manche Geschichten lange bevor jemand weiß dass sie bereits begonnen haben.
00:08:17: Ruh dich aus August Kund.
00:08:20: Wir beide haben uns nie getroffen Und doch gehörst du zu meiner Geschichte.
00:08:25: Ein Name gehört noch hierher Marie-Kund.
00:08:28: Sie war nicht August Tochter sondern seine Nichte Und auch ihr Leben sollte sich mit den Röntgenstrahlen verbinden.
00:08:35: Marie wurde in der Mitte des Jahrhunderts und hatte die fotografische Leeranstalt des Berliner Lettevereins besucht.
00:08:42: Als Röentgens Entdeckung bekannt wurde, erkannte sie sehr schnell was diese neue Technik bedeuten würde.
00:08:48: Es würde Menschen brauchen, die mit den Apparaturen umgehen und aus den unsichtbaren Strahlen brauchbare Bilder machen konnten.
00:08:56: Marie setzte sich dafür ein die Ausbildung um die Röndgenfotografie zu erweitern.
00:09:01: Bereits in den letzten Jahren wurde dort die Röntgenologie ausgebildet.
00:09:06: Aus diesen frühen Anfängen entwickelte sich schließlich ein Beruf, den wir heute sehr gut kennen – der MTR.
00:09:12: Marie erkannte schnell etwas sehr Praktisches.
00:09:15: Diese neuen Strahlen würden Menschen brauchen, die beides beherrschten — die Technik und die Aufnahme.
00:09:21: Noch in den vergangenen Jahren wurde am Letteverein die erste Schülerin in diesem neuen Bereich ausgebilde.
00:09:34: Und sie hatte wesentlichen Anteil an der Entstehung jeder medizinisch-technischen Berufe, aus denen schließlich auch mein heutiger Beruf hervorging.
00:09:42: Manchmal verläuft die Geschichte nicht in gerade Linien – manchmal bleibt sie in einer Familie, wechselt die Generationen und findet plötzlich einen neuen Beruf.
00:09:51: Mehr als hundert Jahre später trägt deshalb ein Preis ihren Namen — Der Marie Kuntpreis!
00:09:56: Er wird vom Berufsverband DVTA im Rahmen des Deutschen Röntgenkongresses verliehen und zeichnet MTR und MTF aus, die unseren Beruf mit neuen Ideen und Ideen für morgen weiterbringen.
00:10:09: Die nächste Verleihung findet in Leipzig-Stadt.
00:10:13: Und an dieser Stelle bekommt diese Geschichte für mich eine ganz eigene Bedeutung.
00:10:17: August Kund wurde in Schwerin geboren – ich auch!
00:10:20: Dort habe ich viele Jahre später meinen Beruf gelernt, einen Beruf an dessen Entstehung seine Nichte Marie maßgeblich beteiligt war.
00:10:28: Fast anderthalb Jahrhunderte liegen zwischen seinem Schwerin und meinem.
00:10:32: August Kunt konnte die Röntgenstrahlung selbst nie erleben – und trotzdem führt eine erstaunliche Spur von seinem Labor über seinen Schüler Wilhelm Konrad Röentgen und seiner Nichte Marie bis zu einem Beruf den heute tausende Menschen ausüben.
00:10:46: Eine davon bin ich!
00:10:49: Vielleicht ist Geschichte manchmal näher als wir glauben.
00:10:52: Das war eine neue Folge von Glow & the Dark, die Geschichte der Strahlung Konzept, Recherche und Sprecherin Dorina Petersen.
00:10:59: Wenn euch die Geschichte dieses stillen Lehrers uns einer Familie berührt hat dann lasst gerne eine Bewertung da und abonniert den Podcast.
00:11:06: Wir setzen unsere Reise durch die Geschichte des Strahlungs fort.
00:11:11: bleibt neugierig.
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