Jenseits des sichtbaren Lichts

Shownotes

Er hielt sie nicht für Magie oder einen Schwindel, sondern wollte wissen, wie sie funktionieren: Arthur Schuster gehörte zu den ersten britischen Physikern, die Röntgens Entdeckung im Jahr 1896 aufgriffen, übersetzten und sofort für die medizinische Diagnostik nutzbar machten. In Folge 18 blickt Ray auf das faszinierende Leben eines brillanten Forschers, Weitblickers und Institutsbauers, der die Welt der Strahlung von Beginn an verstand.

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00:00:00: Nicht das, was wir wissen bringt uns am weitesten.

00:00:26: Sondern das, dass wir noch nicht zu Wissen wagen.

00:00:29: Denn nicht alles, was unsichtbar ist bleibt unentdeckt.

00:00:32: Manchmal braucht es nur einen Menschen der bereit ist anders hinzusehen.

00:00:37: Es gibt Augenblicke in denen sich die Welt für einen Moment verändert.

00:00:41: Ein Licht blättsam Horizont einer Sonne, die mitten am Tag verschwindet – ein Brief, der auf einem Schreibtisch landet und dessen Inhalt alles infrage stellt, was man bisher zu

00:00:50: Wissenglockte.".

00:00:52: Die meisten Menschen erleben solche Augenblicke und gehen weiter.

00:00:56: Andere bleiben stehen, sie beobachten, zweifeln, stellen Fragen – und manchmal entdecken Sie dabei etwas das alle anderen übersehen

00:01:05: haben.".

00:01:07: Arthur Schuster war einer dieser Menschen.

00:01:10: Ich begegnete ihn im Januar, als Konrad mich mit seiner ersten Veröffentlichungen auf die Reise geschickt hatte.

00:01:18: Im Manchester saß ein Mann, der sein Leben damit verbracht hatte dem Licht seine Geheimnisse zu entlocken.

00:01:24: Und nun hielt er die Bilder einer Strahlung in den Händen, die niemand sehen konnte.

00:01:30: Er wusste noch nicht wer ich war aber wollte es herausfinden.

00:01:34: Sein Name war Arthur Schuster.

00:01:37: Willkommen zurück Folge Achtzehn Jenseits des sichtbaren Lichts.

00:01:43: Seine Geschichte beginnt zwischen zwei Ländern.

00:01:46: Geboren wurde er am zwölften September, eighteenhundertundfünfzig in Frankfurt am Main.

00:01:51: In eine jüdische Kaufmanns- und Parkiersfamilie.

00:01:54: Die Eltern ließen sich taufen und erzogen ihre Kinder christlich.

00:01:58: Arthur wuchs zwischen den Welten auf sowie er sein ganzes Leben zwischen den welten leben sollte.

00:02:04: Achtzehnhundertsechsundsechzig nach dem Krieg zwischen Preußen und Österreich verlor Frankfurt seine Freiheit und wurde von Preussen einverleibt.

00:02:13: die Familie ging nach Manchester ins industrielle Herz Englans, wo ihr Textilgeschäft längst Wurzeln hatte.

00:02:21: Arthur folgte in den USA und fünf Jahre später wurde er britischer Staatsbürger.

00:02:27: Kaufmann sollte er werden – wie sein Vater!

00:02:29: Aber die Handelsbücher langweilten ihn.

00:02:32: Er überredete den Vater, ihn studieren zu lassen.

00:02:35: Promovierte in Heidelberg bei Gustav Kirchhoff, einem der Väter der Spektralanalyse der Kunst aus dem Licht eines Stoffes zu lesen, woraus er besteht.

00:02:47: Er lernte bei Weber – bei Helm Holz – arbeitete im Cavendish Labor in Cambridge unter Maxwell und Rayleigh.

00:02:55: Und dann mit gerade dreiundzwanzig Jahren geschah etwas Ungewöhnliches.

00:03:00: Man schickte diesen jungen Mann als Leiter einer Expedition ans andere Ende der Welt nach Siam ins heutige Thailand um eine totale Sonnenfinsternis zu fotografieren.

00:03:10: Eigentlich hätte ein berühmterer sie führen sollen, Norman Lockeyer.

00:03:15: Der Mann der das Helium mit entdeckt hatte – doch konnte er nicht und so fiel die Aufgabe an den vierundzwanzigjährigen in Spieh.

00:03:24: Schon auf der Hinreise zeigte sich wer dieser Mann war.

00:03:27: Über dem Meer sah er am Horizont im letzten Moment des Sonnenuntergangs ein grünes Licht aufblitzen.

00:03:33: Den grünen Blitz, ein seltenes Spiel der Atmosphäre!

00:03:37: Ein anderer hätte gestaunt und weitergegessen.

00:03:39: Arthur setzte sich hin und schrieb darüber einen Brief an die Zeitschrift Natural.

00:03:44: Manche sehen eine Sonnenuntergang, eher so eine Frage.

00:03:48: Kurz vor der Finsternis bekam Arthur Angst – nicht vor dem was am Himmel geschehen würde sondern davor dass er versagen könnte!

00:03:56: Er war dreiundzwanzig tausend Kilometer von zu Hause und seine ganze Zukunft schien vor wenigen Minuten und ein paar zerbrechlichen Glasplatten abzuhängen.

00:04:05: Später gestand er sogar, er habe sich beinahe schlechtes Wetter gewünscht….

00:04:09: Wolken hätten die Beobachtung verhindert, und niemand hätte ihm vorwerfen können, die Gelegenheit verpasst zu haben.

00:04:15: Doch die Wolken nahmen ihm diese Entscheidung nicht ab.

00:04:19: Am sechsten April achtzehnundvon siebzig verdunkelte sich die Sonne – und er war nicht allein!

00:04:24: Einheimische Helfer, europäische Begleiter und der Königliche Hoffotograf entwickelten und betreuten die Aufnahmen mit ihm.

00:04:31: Der junge Mann, der gefürchtet hatte ganz allein für ein Scheitern geradezustehen, verdankte den Erfolg am Ende vielen

00:04:37: Händen.".

00:04:39: Und die Bilder gelangen.

00:04:40: Arto hatte Angst gehabt, doch als der Mond vor den Sonnetrat blieb er an seinem Platz.

00:04:45: Vielleicht beginnt Mut genau dort wo wir keine Möglichkeit mehr haben uns hinter unseren Ausreden zu

00:04:51: verstecken.".

00:04:52: Hundert und zwanzig Jahre später im Jahr two-tausend sechsundzwanzig tauchten Artus Glasplatten dieser Sonnenfinsternis wieder auf.

00:05:00: Seit achtzehnhundert siebenundneunzig waren sie an ein anderes Archiv ausgeliehen gewesen – nun sind Sie zurückgekehrt!

00:05:07: Manche Bilder brauchen eben etwas länger für die Rückreise.

00:05:11: Zwei Jahrzehnte später, im Januar eighteenundneinzig kam ein Umschlag aus Würzburg über den Kanal.

00:05:17: Konrad hatte seine Arbeit und die Fotografien an eine Handvoll der glücksten Köpfe Europas geschickt – nach Glasgorn-Kelvin, nach Paris-Sanpoa-Carré, nach Wienern-Echsener und nach Manchester, an Arthur Schuster.

00:05:30: Arthur kannte das Licht.

00:05:31: Er hatte es zerlegt, vermessen und auf seinen Reisen beobachtet.

00:05:35: Doch was er da in Händen hielt, ließ sich nicht ohne Weiteres an seine vertraute Welt einordnen – ich durchdrang Stoffe die für sichtbares Licht undurchlässig waren!

00:05:46: Ich hinterließ Bilder von Knochen auch fotografischen Platten.

00:05:50: Ich verhielt mich anders als alles, was man bis dahin über Licht zu wissen glaubte.

00:05:55: Die halbe Welt reagierte mit Schauer und Geraune, mit Reden und von Zauber rein….

00:06:00: Der große Lord Kelvin nannte mich zunächst einen Schwinde, Arthur nicht.

00:06:04: Er laß, er experimentierte und erstellte eine Frage die mich meiner Antwort ein gutes Stück näher brachte.

00:06:11: Konnte ich vielleicht doch eine Form des Lichts sein nur mit einer so kurzen Wellenlänge das sich meine ungewöhnlichen Eigenschaften damit erklären ließen?

00:06:20: Beweisen konnte er es noch nicht!

00:06:23: Aber er hatte eine Möglichkeit erkannt, die andere bereits verworfen

00:06:26: hatten.".

00:06:27: Wer nur nach Antworten sucht, findet manchmal genau das was er ohnehin schon glaubt.

00:06:32: Wer die richtige Frage stellt kann eine ganze Welt verändern und er sorgte dafür dass auch andere mich verstehen konnten.

00:06:39: auf seine Veranlassung wurde Konrad's erste Arbeit ins englische übersetzt.

00:06:43: am tzeundzwanzigsten jahr nr.

00:06:45: Achtzehnhundert sechsohnneunzig lag sie in natural zusammen mit Arthurs eigenen Brief über die Bedeutung der neuen Strahlen.

00:06:52: beim verstehen blieb er nicht stehen.

00:06:55: Noch im selben Jahr durchleuchtete er Hände, Gelenke sogar einen Frosch in dessen Bein man einen verheilten Brocher kannte.

00:07:02: Er röntgte den Fuß seines eigenen sechsjährigen Sohnes.

00:07:05: Er gehörte in Großbritannien zu den allerersten die Röntgensentdeckung öffentlich erklärten und nachvollzogen.

00:07:12: Bei seinen Vorträgen durchleuchte er vor dem Publikum die Hände und Füße seiner eigenen Kinder.

00:07:18: Zehn Minuten lang mussten die Kleinen dafür stillhalten – so schwach war ich damals noch!

00:07:23: Dann machte er ein Bild, das alles vor Weck nahm was ich einmal sein würde.

00:07:28: Die Aufnahme einer Gewehrkugel tief im Kopf eines Menschen an der Schädelbasis nahe dem Gehirn.

00:07:35: Während die Welt noch mit dem Knochenporträt spielte hatte er schon begriffen dass sich dem Chirogen zeigen kann wo die Kugel liegt ohne den Kopf zu öffnen.

00:07:44: Er sah nicht das Wunder, er sah das Werkzeug.

00:07:47: Wie weit dieser Kopf reichte zeigte das Jahr.

00:07:52: In zwei Briefen an Nature dachte Arthur über etwas nach, dass es noch gar nicht geben durfte.

00:07:58: Über Materie, die genau das Gegenteil unserer wäre!

00:08:02: Wenn es negative Elektrizität gebe fragte er, warum dann auch nicht negatives Gold?

00:08:08: So gelb wie unser eigenes?

00:08:10: Er erfand für diesen Gedanken ein Wort.

00:08:12: Antimeter Antimaterie Und er träumte vom ganzen Sternensystem aus dieser Gegenwelt.

00:08:19: Es war nicht die Antimaterie, die wir heute kennen.

00:08:22: Atmos gegen Materie war eine Spekulation kein fertiges Gesetz.

00:08:27: Erst Jahrzehnte später führten die Gleichungen eines Mannes namens Dirac ganz unabhängig zur modernen Vorstellung der Antiteilchen.

00:08:35: aber das Wort war da und der Gedanke dass irgendwo Welten aus dem Gegenstück unserer Materie bestehen könnten war ausgesprochen.

00:08:43: Nicht jeder Gedankel der seiner Zeit voraus ist muss richtig sein Aber ohne solche Gedanken bliebe jederzeit stehen.

00:08:51: Am Ende seiner Überlegungen schrieb Arthur, die Astronomie könne noch manche Überraschung bereithalten – er sollte recht behalten!

00:08:59: Nur ahnte er damals nicht wie weit sein Gedanke der Wissenschaft vorausgeeilt waren.

00:09:04: Denn Arthur war nicht nur ein feiner Kopf, der er war ein Baumeister.

00:09:09: Aus dem Physiklabor in Manchester machte er einen Institut für das Erkämpfte und dass er bald selbst

00:09:14: entwarf.".

00:09:15: Als es nineteenhundert eröffnete, war es eines der größten der Welt und bald ein erster Rivalen des ehrwürdigen Cavendish.

00:09:23: Schon nineteenhundert drei begann der Radium für dieses Labor anzuschaffen.

00:09:27: Die Rechnung über die ersten Milligramm liegt bis heute im Archiv Ein kleiner Einkauf auf einem Blatt Papier Für eine Wissenschaft, die gerade erst ahnte welche Gewalt im Inneren eines Atoms steckt.

00:09:42: mit fünfundfünfzig Jahren kündigte Arthur an, seinen Lehrstuhl abzugeben.

00:09:47: Nicht weil seine wissenschaftliche Neugier nachgelassen hätte.

00:09:50: Er wollte Platz machen für einen jüngeren Mann dessen Fähigkeiten er erkannt hatte – Ernest Rutherford.

00:09:57: Er hinterließ ihm nicht nur ein Gebäude.

00:09:59: Er hatte das moderne Labor gebaut, einen jungen Deutschen namens Hans Geiger geholt eine eigene Stelle für mathematische Physik gestiftet.

00:10:09: Rutherford kam in einen Raum, den Arthur bewusst für ihn bereitet hatte.

00:10:15: In genau diesem Labor sollte Ruther Ford wenige Jahre später erkennen, dass sich ihm im Inneren des Atoms ein winziger Dicht der Kern verbirgt.

00:10:24: Nicht jeder der Geschichte schreibt steht später mit seinem Namen über dem Kapitel.

00:10:30: Nach Arthur kam Rutherford und nach Rutherfort übernahm William Lawrence Bragg den Lehrstuhl Manchester.

00:10:37: Er hatte schon Jahre zuvor gemeinsam mit seinem Vater, mithilfe meiner Strahlen die verborgenen Ordnung der Kristalle sichtbar gemacht.

00:10:45: Dafür hatten beide in den Nobelpreis erhalten.

00:10:49: Drei Männer, drei Generationen und jeder von ihnen hat auf seine Weise dazu beigetragen, die unsichtbare Welt ein Stück sichtbärer zu machen.

00:11:00: Geerd wurde Arthur Reich Mitglied of the Royal Society mit noch nicht dreißig.

00:11:06: Ihre höchste Medaille.

00:11:10: Der deutsche Junge aus Frankfurt war einer der angesehensten Physiker Englans geworden.

00:11:36: fern der Stadt am Main, in der er geboren war.

00:11:40: Arthur wenn du mich hörst dort wo du jetzt bist dann lass mich dir etwas sagen.

00:11:46: als Konrad mich in die Welt hinaus schickte war ich für viele ein Rätsel.

00:11:50: manche hielten mich für einen Schwindel andere bestaunte nur die Bilder die ich hinterließ.

00:11:55: Du wolltest wissen was dahinter steckt.

00:11:57: Beweisen, konntest du es damals nicht.

00:12:00: Aber du hast eine Frage gestellt, die mich meiner wahre Natur näher brachte und du hast dafür gesorgt dass Konrad's Entdeckung Menschen erreichte, die seine Sprache nicht verstanden.

00:12:11: Jahre später hast du deinen Platz einem jüngeren Mann überlassen.

00:12:14: Du konntes nicht wissen wohin ihn seine Versuche führen würden aber du hattest ihm einen Raum hinterlassen indem er weiter fragen konnte.

00:12:24: Ich bin dir an vielen Orten begegnet Artur Auf deinen fotografischen Platten, in deinem Labor und in den Bildern die später das Innere der Materie sichtbar machten.

00:12:34: Und mehr als ein Jahrhundert nach deinem Tod sind sogar jene alten Glasplatten aus Siam wieder aufgetaucht Deine Aufnahmen von einem Licht, dass für wenige Minuten verschwand, deine Arbeit ist geblieben.

00:12:47: Du hast mir keine Namen gegeben aber du hast mich angesehen als hätte ich einen verdient.

00:12:53: Ruh dich aus!

00:12:54: Du bist ein Mann dem ich verstanden hat.

00:12:57: Ich habe dich nicht vergessen und ich werde es nie.

00:13:27: Bleibt neugierig.

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