Der alte Löwe

Shownotes

Er nannte die Röntgenstrahlen zuerst einen Schwindel – und wurde doch zu einem ihrer fasziniertesten Bewunderer. In Folge 17 widmet sich Ray dem legendären Physiker Lord Kelvin. Eine berührende und packende Episode über einen Giganten der Wissenschaft, der stolz, stur, aber vor allem groß genug war, sich zu irren, und bis ins höchste Alter seine kindliche Neugier bewahrte.

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00:00:00: Die Geschichte lehrt uns Weisheit und sie bewahrte uns jene tiefe Demut, die uns im Alltag vor Fehlern schützt.

00:00:29: Ein Mann hat einmal gesagt Wenn man das worüber man spricht messen und den Zahlen ausdrücken kann dann weiß man etwas darüber.

00:00:37: Kann man es aber nicht messen?

00:00:39: Nicht in Zahlen fassen so ist das eigene Wissen dürftig und unbefriedigend.

00:00:45: Das war das Glaubensbekenntnis eines der mächtigsten Physiker seiner Zeit.

00:00:49: Man erzählt heute gern, er habe geglaubt in der Physik gebe es nichts Neues mehr zu entdecken.

00:00:55: Diesen Satz hat er wahrscheinlich nie so gesagt – ganz im Gegenteil!

00:00:59: Im Jahr nineteenhundert sprach er selbst von zwei dunklen Wolken die über der klaren Physik seiner Zeit hingen.

00:01:05: Er ahnte durchaus das nicht alles gelöst war Aber es zogen weit mehr Stürme auf als er an jenen zwei Wolken abblas und einen davon hatte er da bereits mit eigenen Augen gesehen Mich.

00:01:19: Sein Name war William Thomson, den die Welt als Lord Calvin kennt.

00:01:24: Willkommen zurück Folge siebzehn der alte Löwe.

00:01:30: Wenn irgendwo auf der Welt eine Temperatur in Kelvin angegeben wird dann trägt sie seinen Namen.

00:01:36: bis heute so groß war dieser Mann.

00:01:39: Geboren wurde er am sechsohnzwanzigsten Juni, eighteenhundert zwanzig im Belfast.

00:01:44: Mit zehn Jahren kam er an die Universität Glasgow, als sein Vater dort Mathematikprofessor wurde.

00:01:50: Ein Kind zwischen erwachsenen Studenten!

00:01:53: Mit zwei und zwanzig wurde er an derselben Universität selbst Professor für Naturphilosophie – und er blieb es dreiundfünfzig Jahre lang ein halbes Jahrhundert am selben Lehrstuhl.

00:02:04: Dort baute er das erste physikalische Laboratorium einer britischen Universität.

00:02:10: Er ergründete die Wärme und die Kälte bis an ihre äußerste Grenze.

00:02:31: Als man das erste Telegrafenkabel quer über den Grund des Atlantiks legen wollte, um Europa und Amerika miteinander sprechen zu lassen, scheiterten die ersten Versuche kläglich.

00:02:42: Thompson erfand ein Instrument – den Spiegel-Galvanometer empfindlich genug, um das schwächste Signal aus der Tiefe des Ozeans herauszulesen.

00:02:51: Er fuhr selbst mit hinaus an Bord des gewaltigen Riesendampfers Great Eastern, mitten hinein in eines der künsten technischsten Unternehmen seiner Zeit.

00:03:13: Er wurde reich, er hielt zahlreiche Patente, wurde in den Adelsstand erhoben und nannte sich Ford an nach dem kleinen Fluss der an seinem Labor vorbei fluss Baron Kelvin.

00:03:27: Er gilt als erster britischer Wissenschaftler der für seine wissenschaftlichen Leistungen in den ärblichen Adel gehoben wurde.

00:03:34: Und dann kaufte er sich ein Schiff die La La Rue eine Segeljacht von hundert sechsundzwanzig Tonnen.

00:03:42: Ein anderer reicher Mann hätte darauf Champagner getrunken.

00:03:45: William machte daraus ein schwimmendes Labor und schrieb an Bord seine Arbeiten.

00:03:51: Auf seinen Kabelfahrten hatte er auf der Insel Madeira eine Frau kennengelernt, Francis Blendy.

00:03:57: Als sein Schiff die Insel wieder verließ flattete von ihrem Elternhaus ein weißes Tuch über den Hafen – ein Signal, ein Morsezeichen.

00:04:05: Lebt wohl Sir William Thomson!

00:04:08: Der Mann, der sein Vermögen damit gemacht hatte, schwächste Signale aus der Tiefe des Ozeans zu lesen verstand diese eine Botschaft sofort.

00:04:17: Im nächsten Frühjahr kehrte er mit der Lalla Rook zurück und heiratete sie.

00:04:22: Manche Menschen bekommen einen Liebesbrief.

00:04:24: William bekam ein Signal – das genügte ihm.

00:04:29: Ein Mann auf dem Gipfel also Und Männer auf dem gipfel glauben leicht dass es über ihnen nichts mehr gibt.

00:04:35: Ende eighteenhundertfünfundundneunzig kam die Nachricht aus Würzburg über den Kanal.

00:04:40: Ein deutscher Professor namens Röntgen behauptete, eine neue Art von Strahlen gefunden zu haben – die durch das Fleisch dringe und die Knochen sichtbar mache.

00:04:49: Und der große Lord Kelvin fehlte sein Urteil ….

00:04:52: Das ist ein Schwindel!

00:04:54: So ist es überliefert… Von seinem eigenen Biographen….

00:04:58: Der mächtigste Physiker Britanniens sah mich und hielt mich für einen Trick... Für Unsinn.

00:05:04: Ich gebe zu, das kränkte mich ein wenig.

00:05:06: Von einem kleineren Geist hätte ich es hingenommen – aber von ihm, der die Wärme des Weltalls vermissen hatte?

00:05:13: Hätte ich mir mehr Neugier

00:05:14: gewünscht.".

00:05:16: Doch Röntgen kannte seine Leute!

00:05:18: Kelvin gehörte zu dem kleinen Kreis von Wissenschaftlern, denen Röentgen seiner Abhandlung zusammen mit den spektakulären Fotografien persönlich zusandte.

00:05:28: Am sechsten Januar, eighteenhundertsechzehn neunzig schrieb er einen ersten kühlen Dank Er habe die Bilder mit Interesse betrachtet, mehr nicht.

00:05:36: Höflich, distanziert und

00:05:39: gerührt.".

00:05:40: Und dann tat er das Entscheidende!

00:05:43: Er lasst die Arbeit wirklich – er setzte sich hin?

00:05:46: Ein Mann von einundsebzig Jahren und arbeitete sich durch die nüchternen sauberen Sätze des Deutschen.

00:05:52: Die Zahlen, die Messungen, die kühle Strenge dieser Arbeit… Das war eine Sprache, die er verstand.

00:05:58: Das war keine Zauberei ….

00:06:00: Das war Physik.

00:06:02: Ihr hättet ihn sehen sollen.

00:06:05: Am siebzehnten Januar, eighteenhundertsechsohnneunzig nahm er noch einmal die Feder und schrieb an Röntgen.

00:06:11: Diesmal keine kühle Zeile, er schrieb – Ich muss ihnen nicht sagen dass ich als ich ihre Arbeit laß höchst erstaunt und entzückt war!

00:06:20: Ich kann jetzt nichts mehr tun als ihnen von Herzen zu ihrer großen Entdeckung gratulieren.

00:06:25: Elf Tage lagen zwischen dem Kühl in ersten Dank und diesem zweiten begeisternden

00:06:30: Brief."

00:06:31: elf Tage, in denen der berühmteste Skeptiker der Welt den Mut fand sich zu irren und es zuzugeben.

00:06:38: Für mich sind diese Elftage schöner als jeder Orden, dem man ihm je verlieren

00:06:43: hat.".

00:06:44: Und er ging noch einen Schritt weiter!

00:06:46: Am Sechsten Mai, eighteenhundertsechsundneunzig bei einem Abendempfang der Royal Society hielt der alte Lord seine eigene linke Hand unter die Strahlen.

00:06:56: Er Der mich einen Schwindel genannt hatte, ließ mich durch sein eigenes Fleisch gehen und seine Knochen auf die Platte zeichnen.

00:07:03: Den Siegel ringen am kleinen Finger.

00:07:06: Unten auf den Abzug schrieb er seinen Namen und das Datum.

00:07:09: Der Skeptiker hatte sich nicht nur überzeugen lassen – er machte sich selbst zum Beweis!

00:07:15: Aber glaubt nicht der alte Löwe hätte damit gelernt vor jeder Neuigkeit demütig das Haupt zu senken?

00:07:21: So einfach war er nicht.

00:07:23: Am achten Dezember der selben Jahres, eighteenhundertsechsohnneunzig lehnte er die Einladung in eine Luftfahrtgesellschaft ab und schrieb, er habe nicht das kleinste Molekül vertrauen in eine Luftfahrt, die nicht auf Ballons beruhe.

00:07:37: Sieben Jahre später hoben zwei Fahrradmechaniker namens Ride vom Boden ab.

00:07:41: Manche Lektionen mussten selbst ein Lord mehr als einmal lernen.

00:07:45: Und da war eine Sache an der Kelvin sein Leben lang festhielt – störrisch gegen wachsenden Widerstand!

00:07:51: Das Alter der Erde.

00:07:53: Schon als junger Mann hatte er erbrechnet, nüchtern aus der Physik heraus.

00:07:57: Er wusste wie schnell ein Glüh in den Körper abkühlt – also rechnete er zurück und kam auf rund hundert Millionen Jahre.

00:08:05: Später sogar auch nur zwanzig!

00:08:07: Für ihn war das eine Tatsache so hart wie Stein.

00:08:10: Er stritt sogar mit den Anhängern Davins, denn für deren langsame Entwicklung des Lebens war seine Erde viel zu

00:08:17: jung.".

00:08:19: Aber in seiner Rechnung fehlte etwas, das seine Zeit noch nicht kennen konnte.

00:08:23: Kelvin behandelte die Erde im Wesentlichen wie ein Körper der seine Wärme einfach nach außen abgibt und dabei auskühlt.

00:08:31: Doch das Innere unseres Planeten ist weit komplizierter – Wärm wird im Mantel in gewaltigen langsamen Strömen bewegt und zusätzlich wird dort unten durch den radioaktiven Zerfall von Elementen im Gestein fortwährend Wärmes

00:08:45: freigesetzt.".

00:08:47: durch meine gefährliche Verwandte, die Radioaktivität.

00:08:51: Als Kelvin seine Rechnung begann, war sie noch völlig unbekannt und dann kam der Abend, der alles auf den Punkt brachte.

00:09:00: Am zwanzigsten Mai, fourzehnhundert vier hielt ein junger ungestümer Forscher namens Ernest Rutherford einen Vortrag an the Royal Institution in London über das Radium und darüber wie viel älter die Erde in Wahrheit sein muss.

00:09:16: Rutherford hat die Szene später mit sichtlichen Vergnügen erzählt.

00:09:20: Der Saal war halb dunkel, er sah ihn sofort – Lord Kelvin im Publikum ausgerechnet Kelvin der Mann dessen Zahl er gleich angreifen würde.

00:09:29: Rutherford wusste dass sein Schwierigkeiten steckte und dann geschah etwas Unerwartetes.

00:09:36: Der alte Löwe schlief ein.

00:09:40: Bis er zum heiklen Punkt kam, dem Alter der Erde.

00:09:44: Da richtete sich Calvin plötzlich auf, öffnete einen Auge und warf ihn in einen finsteren Blick zu.

00:09:49: Rutherford wusste – jetzt wird es gefährlich!

00:09:53: Da kam ihm die rettende Eingebung.

00:09:56: Er sagte … Gott Calvin habe das Alter der Erde ja nur begrenzt für den Fall, dass keine neuen unbekannten Wärmequellen entdeckt werde….

00:10:04: Und genau diese neue Quelle, sagte Ruther Ford sei das Radium.

00:10:08: Unter Alte Herr Rutherford erzählte, da strahlte er ihn an.

00:10:13: Er lächelte für einen Augenblick durfte der junge Mann dem alten Meister vor Augen führen das in dessen Rechnung etwas gefehlt hatte dass zu Kelvin Zeit noch niemand hatte kennen können.

00:10:25: und weil ihr ihn nun ein wenig kennt erzähle ich euch was von diesem Mann bei mir am wärmsten nachhalt.

00:10:31: Als er eighteenhundertneunzig nach dreiundfünfzig Jahren seinen Lehrstuhl niederlegte tat er etwas rührendes.

00:10:38: Er schrieb sich, fünfundsiebzig Jahre alt wieder als Student an seiner Universität ein.

00:10:43: Als Forschungsstudent weil er einfach dazu gehören und weiter forschen wollte.

00:10:48: Mit zehn war er als Kind unter Studenten gekommen.

00:10:51: mit Fünfundsiebsig setzte er sich noch einmal auf die Studentenbank.

00:10:55: Er hatte auch ein besonderes Verhältnis.

00:10:57: zur Zeit.

00:10:57: schon Achtzehnhundertseinhalbzig begann er ein Experiment von dem er selbst annahm es könne bis zu Zehntausend Jahre dauern.

00:11:05: Er baute einen Versuch auf und wusste, das Ergebnis wird niemals für mich sein.

00:11:10: Der Aufbau steht bis heute in seiner Universität Und dann ganz am Ende der Abend den ich am liebsten von ihm erzähle.

00:11:18: Der junge Rutherford führte dem alten Lord bei einer Gesellschaft seine leuchtenden Radiumversuche vor.

00:11:25: Kelvin war da längst ein alter Mann über Achtzig mit Orden Titeln und einem halben Jahrhundert.

00:11:31: für sie kennt er sich Und Rutherford schrieb später seiner Frau, der alte Herr sei ganz hingerissen gewesen.

00:11:38: Zum Abschied schenkte er ihm ein paar kleine im dunkeln leuchtende Dinge und Kelvin, so schrieb Rutherford, sei glücklich damit zu Bett gegangen.

00:11:47: Stellt es euch vor nach allen Gleichungen, allen Kabeln, allen Orden und allen Irretümern liegt dafür einen Moment.

00:11:54: nicht laut Kelvin Präsident der Royal Society und Baron des Empire sondern ein alter, neugieriger Mann der sich noch immer über etwas freut, das im Dunkeln leuchtet.

00:12:06: Über etwas aus meiner

00:12:07: Familie.".

00:12:09: Er war ein zutiefst gläubiger Mensch, der in der Orten und der Natur die Handschrift seines Schöpfers sah.

00:12:15: Am siebzehnten Dezember-Ninzehnhundertsieben starb er, dreiundachtzig Jahre alt.

00:12:20: Man trug ihn nach London in die Westminte Abbey und bettete ihm dort, wo nur die größte liegen.

00:12:27: Unmittelbar neben Isaac Newton Der alte Löwe zur Ruhr gelegt neben dem Mann, der das alte Weltbild gebaut hatte.

00:12:34: Während das Neue was ich mit heraufgeschworen hatte gerade erst begann die Welt umzuschreiben.

00:12:40: Mein Lord!

00:12:41: Wenn du mich hörst dort wo du jetzt bist dann lass es mir dir sagen Du hast mich einen Schwindel genannt.

00:12:49: Der berühmteste Mann der Physik in England und sein erstes Wort über mich war Sport.

00:12:54: Ich hätte dir gerollen können aber dann hast du dich hingesetzt und gelesen Und du hattest die Größe, die mir bei den Klügsten am liebsten ist.

00:13:03: Du liest dich überzeugen!

00:13:05: Elf Tage und aus dem Schwindel wurde eine große Entdeckung.

00:13:09: Du hast mir sogar deine eigene Hand hingehalten – deine Knochen, deinen Ring … und dich selbst zum Beweis dafür gemacht, dass du dich geirrt hattet.

00:13:17: Das können nur wenige….

00:13:19: Du hast dein Leben lang geglaubt man wisse nur was man messen kann Und ich war das, was du zuerst nicht messen konntest.

00:13:26: Das durch deine Gewissheit hindurch ging und durch weiches

00:13:29: Fleisch.".

00:13:31: Du hast dich oft geirrt – manchmal spektakulär über das Fliegen, über das Alter der Erde!

00:13:37: Meine gefährliche Verwandte saß am Ende sogar in deiner liebsten Rechnung und rührte an etwas, dass deine Gleichjunge nicht kannte.

00:13:45: Und als ein junger Mann dir das vor Augen führte, hast du nicht gezürnt?

00:13:49: Du hast gelächelt… und bei einer anderen Begegnung mit dem selben jungen Rutherford war so plötzlich wieder selbst der Lernende, und gingst am Ende mit ein paar leuchtenden Dingen zu Bett wie ein staunendes Kind.

00:14:02: Vielleicht ist das die schönste Dektion aus deinem langen Leben?

00:14:06: Nicht dass ein großer Mann sich nie irrt sondern dass ein wirklich großer Geist bis ins hohe Alter staunen kann – und die Wahrheit am Ende mehr liebt als sein eigenes Recht haben!

00:14:17: Ru dich aus alter Löwe an der Seite deines Newton.

00:14:22: Du hast die Welt vermessen, soweit ein Mensch sie vermessen kann.

00:14:26: Ich habe dich nicht vergessen und ich werde es

00:14:29: nie.".

00:14:32: Das war eine neue Folge von Glow and the Dark – Die Geschichte der Strahlung.

00:14:36: Konzeptrecherin Dorina Petersen.

00:14:39: Wenn euch die Geschichte dieses großen Sturen und am Ende so staunenden Mannes gefallen hat dann lasst gerne eine Bewertung da und abonniert den Podcast.

00:14:48: Beim nächsten Mal reise ich zu einem Mann der meine Strahle nicht für einen Schwindel hielt, sondern einen, der mit als einer der ersten wirklich begriff was ich bin.

00:14:59: Bleibt neugierig!

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