Der Geisterjäger
Shownotes
Er baute die berühmten Evakuierungsröhren, die der Physik den Weg wiesen – und suchte nachts mit Messgeräten nach Gespenstern: In Folge 13 widmet sich Ray dem britischen Physiker Sir William Crookes. Eine berührende Episode über ein wissenschaftliches Genie, den tragischen Verlust eines Bruders, mysteriöse beschlagene Fotoplatten im Labor und das ständige Streben, die Grenzen des Sichtbaren zu überwinden
Transkript anzeigen
00:00:00: Manchmal liegt die größte Entdeckung nicht in dem, was wir finden sondern in dem ,was wir übersehen.
00:00:29: Die Geschichte lehrt uns Weisheit und sie bewahrt uns jene tiefe Demut, die uns im Alltag vor Fehlern schützt.
00:00:36: Es gab einen Mann der sein Leben lang nach dem Unsichtbaren suchte.
00:00:40: Er sahen seinen Röhren ein Leuchten das die Physik verändern sollte.
00:00:44: Und derselbe Mann suchte wenige Jahre später in dunklen Zimmern Nach einem ganz anderen Unsichtbaren... ...Nach den Toten.
00:00:52: Das eine konnte er messen, an das andere glaubte er.
00:00:56: Und ausgerechnet das Unsichtbare, dass seinen Namen mit der Geschichte der Röntgenstrahlung verbinden sollte?
00:01:02: Das erkannte er nicht!
00:01:04: Das Unsichtbarere ist nicht dasselbe wie das Unerklärliche.
00:01:09: Willkommen zurück Folge Fünfzehn – Der Geist der Jäger Sir William Crooks.
00:01:16: Sein Vater Joseph war Schneider in London und William, geboren am siebzehnten Juni, eighteenhundertzweiunddreißig wuchs in einer riesigen Familie auf.
00:01:26: Er war eines von sechzehn Kindern.
00:01:29: Leider überlebten aufgrund der damals hohen Kindersterblichkeit nur sieben seiner Vollgeschwister das Kindesalter.
00:01:36: Mit fünfzehn trat er in das Royal College of Chemistry ein und wurde Assistent eines deutschen Meisters August Wilhelm von Hofmann.
00:01:45: Ein Doktortitel?
00:01:47: Den hat er nie erworben.
00:01:48: Er hatte keine Universitätslaufbahn, keine akademischen Weihen.
00:01:52: Er hatte nur einen Wachenverstand und geschickte Hände – und damit stieg er höher auf als fast alle promovierten seiner Zeit.
00:02:00: Später sollten Oxford, Cambridge und Dublin ihm ihre Ehrendoktor Hürden geradezu hinterher tragen.
00:02:08: Das Glück helfe ein wenig nach!
00:02:10: Als sein Vater starb, erbt der Einvermögen.
00:02:13: Es machte ihn frei.
00:02:15: Er baute sich sein eigenes Labor, gründete eine Wissenschaftszeitung die ihn ein Leben lang ernährte und musste von da an keinem vorgesetzt mehr gefallen.
00:02:24: Er forschte nur noch an dem was ihn wirklich brannte.
00:02:29: An seiner Seite stand von Anfang an eine Frau.
00:02:42: Auf sie komme ich noch einmal zurück.
00:02:44: Mit neunundzwanzig gelang ihm der Durchbruch, er verglühte einen Stoff und Lars in dessen Licht eine leuchten grüne Linie die es nicht geben durfte.
00:02:53: Diese Linie war ein neues Element, er nannte es Talium nach dem grünen jungen Trieb.
00:02:59: Zwei Jahre später mit einundreißig nahm ihn die Royal Society auf.
00:03:03: Der Sohn des Schneiders saß nun unter den Großen Doch das Wichtigste in seinem Leben – und für meines – war aus Glas.
00:03:11: Wie begann das alles?
00:03:13: Ein Deutscher namens Geisler hatte Glasröhren gebaut, aus denen er etwas Luft herauspumpte und wenn man Strom hindurch schickte glühten sie in zarten Farben.
00:03:22: Hübsche Spielereien für den Sallon!
00:03:24: Ein anderer Hit-Off trieb das Vakuum weiter, sog mehr und mehr Luft heraus Und dann kam William, und er tat etwas Entscheidendes mit den inzwischen enorm verbesserten Quecksilber-Varcoumpumpen.
00:03:37: Dies klugst noch mehr Gas aus seinen Röhren entfernen und trieb die Experimente mit immer höherer Varcoa weiter – und in dieser fast vollkommenden Lehre geschah etwas Neues!
00:03:47: Schickte man nun Strom hindurch gingen von der Kathode Strahlen aus, die sich gradlinig durch die Röhre bewegten und das Glas dort zum Leuchten brachten wo sie darauf trafen.
00:04:00: Wir wissen heute, es waren Elektronen.
00:04:03: William dachte er habe eine neue Form der Materie entdeckt jenseits von festflüssig und gasförmig einen vierten Zustand strahlende Materie.
00:04:14: Er lag mit dem Namen daneben aber mit dem Instinkt goldrichtig denn diese Röhre seine röhre war das Werkzeug auf das die halbe Physik gewartet hatte.
00:04:23: Am zwanzigsten August eighteenhundertneunundsiebzig stellte er sich vor die versammelten Forscher Britanniens und führte ihnen neunzehn verschiedene dieser Röhren vor.
00:04:33: Er zeigte der Welt das Glühen, und die Welt begannen ihm nachzubauen.
00:04:38: Von England aus wanderten diese Röhre in die Labore des Kontinents – in die Hände von Herz, in die von Lennart – und viele Jahre später auf den Arbeitstisch eines stillen Professors an einer bayerischen Stadt namens Würzburg.
00:04:51: Keiner von ihnen ahnte, dass in dem Moment, in dem diese schnellen Strahlen auf das Glas oder das Metall prallten noch etwas anderes entstand.
00:05:00: Etwas, was die Röhre verließ durch die Wand aus Glasendurch hinaus in den Raum.
00:05:05: Ich ja ich wurde in diesen Röhren erzeugt nicht bei jeder Entladung Nicht immer gleich stark nur dann wenn die Strahle hart genug auftrafen aber ich war da und während William das sichtbare Leuchten beobachtete, konnte gleichzeitig etwas entstehen, dass seine Augen überhaupt nicht sehen konnten.
00:05:24: Ich verließ die Röhre lautlos und unsichtbar – der Mann, der das Unsichtbare mehr liebte als alles auf der Welt hatte es sich selbst gebaut dort auf seinem Labor-Tisch und sah mich doch nicht!
00:05:36: Und die Rören waren launisch.
00:05:38: Sie waren keine verlässlichen Maschinen, das Vakuum in ihnen veränderte sich.
00:05:42: Während man arbeitete die Röhren wurden härter Die Strahlin unberechenbar Mal schwach mal stark Und irgendwann gab sie den Geist auf.
00:05:51: Man musste sie hegen wie ein empfindliches Tier.
00:05:54: Erst Jahrzehnte später lernte man sie zu wendigen.
00:05:57: Wie sehr das ein Problem war sieht man daran dass schon drei Monate nach Röntgens Entdeckung der ersten Röhre mit regelbarem Vako um zur Patent angemeldet worden Williams-Röhren waren der geniale, widerspänzigste Uhrahn all dessen woran ihr heute steht.
00:06:14: Es wird erzählt dass Fotoplatten die in der Nähe seiner Röhren aufbewahrt wurden immer wieder beschlagen waren – sogar in ungeöffneten Schachteln!
00:06:23: Crux soll sich beim Hersteller über diese schlechte Ware beschwert und sie zurückgeschickt haben.
00:06:28: Wenn dieser Geschichte wirklich stimmt dann war das nicht die schlechte Wahre….
00:06:32: Das war ich ….
00:06:33: Ich klopft da an die Tür doch niemand machte
00:06:36: auf.".
00:06:37: Das Willen begann neben der Physik noch einen ganz anderen Unsichtbaren zu suchen, hatte auch einen sehr persönlichen Grund.
00:06:44: Er hatte einen jüngeren Bruder Philipp, einem zwanzig Jahre alt den er sehr liebte.
00:06:50: Eightzehnundsechzig war Philipp wegen Arbeiten an einem Telegrafenkabel in die Karibe gegangen – ein kühnes modernes Unternehmen, die Kontinente sollten miteinander sprechen lernen.
00:07:01: Dort erkrankte er jedoch an Geldfieber und schließlich starb Etwas in William zerbrach bei diesem Verlust.
00:07:09: Ich spürte es, er hatte sein Leben damit verbracht Dinge sichtbar und messbar zu machen die dem menschlichen Auge verborgen blieben.
00:07:17: Vielleicht lag für ihn deshalb eine Frage näher als für andere Wenn etwas unsichtbar ist bedeutet das wirklich dass es nicht existiert?
00:07:27: Er hat denn seinem Glas schon oft ein Leuchten aus dem Nichts gesehen?
00:07:31: War es so abwegig zu glauben dass auch die Toten eine Spur hinterließen?
00:07:36: Fein unsichtbar, wenn man nur genug hin sah.
00:07:40: und so tat der nüchternste Experimentator seiner Zeit das Unheurte.
00:07:45: Er setzte sich an die Tische der Geisterbeschwörer.
00:07:49: er wollte als Forscher kommen mit Wagen, mit Messgeräten, mit Fotoapparaten.
00:07:54: Er wollte einen Geist wiegen.
00:07:56: am bekanntesten wurde seine Arbeit mit einer jungen Frau Florence Cook aus deren Sitzungen angeblich eine leibhaftige Gestaltrat die sich Katie King nannte.
00:08:07: Er behauptete mit dieser Erscheinung gesprochen, sie berührt, sie fotografiert zu haben und er war überzeugt.
00:08:14: Sie war echt!
00:08:16: Die Wissenschaft wandte sich mit Schaudern ab.
00:08:19: man raunte der große Crux habe den Verstand verloren oder schlimmer seine Redlichkeit doch er nahm kein einziges Wort zurück.
00:08:28: bis ans Ende seines Lebens blieb er dabei dass zwischen den sichtbaren und dem unsichtbaren mehr liegt als seine Kollegen zugeben mochten.
00:08:36: Während man hinter vorgehaltener Hand über den Geist der Jäger lachte, konnte die selbe Welt nicht aufhören ihn zu Ehren.
00:08:43: Die Royal Society verlieh ihm ihre höchsten Auszeichnungen – die Royal Medal, die Davy-Maddle, schließlich die Cople Medaille.
00:08:53: Frankreich schickte ihm eine goldene Medaillie.
00:08:55: Königin Victoria schlug ihn eighteenundneunzig zum Ritter und neunzehnhundertzehn erhielt er den Order of Merritt Eine Ehre, die nur eine Handvoll Menschen im Reich zugleich zusteht.
00:09:09: Am Ende wählte man ihn sogar zum Präsidenten der Royal Society auf den Stuhl, auf dem einst Newton gesessen hatte.
00:09:16: Nach ihm übernahm einen jüngeren Mann namens Joseph John Thompson, jener Forscher, der in Röhren wie den Seinen das Elektron aufspürte und damit endgültig verstand was Williams Strahlen Materie in Wahrheit war.
00:09:31: Einen Nobelpreis erhielt Crux jedoch nie.
00:09:34: Sein Blick reichte auch über sein Labor hinaus.
00:09:37: In den letzten Jahren warnte er die Welt vor einer kommenden Not.
00:09:41: Der Menschheit könnte das Stickstoff ausgehen, den ihre Felder brauchen und mit ihm das Brot.
00:09:47: Die Wissenschaft forderte, er müsse lernen, den Stickstoff von der Luft selbst zu binden.
00:09:52: Er konnte nicht wissen dass wenige Jahre später hoch im Norden ein Norweger namens Christian Birkeland künstliche Blitze durch die Luft jagen würde um eine Antwort auf genau dieses Problem zu suchen.
00:10:04: ihn kennt ihr bereits.
00:10:05: So reichen sich diese Menschen über die Jahre die Hand, ohne es zu
00:10:09: wissen.".
00:10:11: Und dann kam der Winter, und aus Würzburg kam die Nachricht.
00:10:16: Ein deutscher Professor Wilhelm Konrad Röntgen hatte an seiner Röhre gearbeitet – an einer stark evakuierten Entladungsröhre vom Typ Hithoff Crooks umwickelt mit schwarzer Pappe.
00:10:27: Um plötzlich hatte in bis zu zwei Metern Entfernung ein Schwirm zu leuchten begonnen ganz von selbst.
00:10:33: Röntgen tat, was William nie getan hatte.
00:10:36: Er hielt inne und fragte sieben Wochen lang, was das sei?
00:10:40: Und dann gab er der Welt die Antwort – eine neue Art Strahlung, der durch das Fleisch dringt und die Knochen als Schatten zurücklässt.
00:10:49: Röentgens Entdeckung stand am Ende einer Entwicklung an der William Crooks entscheidend mitgebaut.
00:10:55: Spätestens jetzt ließ sich auch erklären, was mit jenen beschlagenen Fotoplatten geschehen sein könnte.
00:11:01: Wenn die alte Geschichte stimmt war es keine schlechte Ware.
00:11:04: Es waren Röntgenstrahlen.
00:11:06: William hatte möglicherweise jahrelang genau diese Strahlung in seinem Labor erzeugt, der ein anderer nun erkannte und beschrieb Der Mann, der sein Leben lang das unsichtbare Jagd.
00:11:17: da hat er das größte Unsichtbare überhaupt in den Händen gehalten und ist nicht erkannt.
00:11:23: Aber die Geschichte geht noch weiter Denn nachdem er mich verpasst hatte, lernte er mich endlich kennen und begann, mich zu benutzen.
00:11:30: Für etwas Unerwartetes….
00:11:32: Diamanten.
00:11:33: Er fand heraus dass echte Diamanten mich erstaunlich gut durchließen, während Glasfälschungen mich stärker auffielten.
00:11:40: Also durchleuchtete er Steine und ihre Nachbildungen und konnte den Echten vom Falschen unterscheiden.
00:11:46: Er prüfte mit mir ob ein Diamant ein Diamante war oder eine Fälschung Und weil er nie halbe Sachen machte, ging er weiter.
00:11:54: Er legte die Diamanten neben Radium – nicht für Stunden, für Monate und die Steine färbten sich bläulich grün.
00:12:01: Er wog sie, erhitzte sie, fotografierte sie, wollte begreifen was die Strahlung mit dem Kristall angestellt hatte.
00:12:09: In seinen späteren Jahren wandte er sich einem stillen praktischen Leid zu.
00:12:14: Glasarbeiter, die jahrelang vor glühenden Schmelzöfen standen, entwickelten auffallend häufig schwere Augenschäden und Katarakte.
00:12:22: William begann mit Glas zu experimentieren, da diese schädlichen unsichtbaren Anteile abfingen ohne die Wälter hinter dunkel zu machen.
00:12:31: Auf dieser Arbeit entstand ein Crux-Gleser, deren Prinzip später auch bei getönten Schutz- und Sonnenbrillenglesern Verwendung fand.
00:12:42: Nach sechzig Jahren gemeinsamer Zeit war der alte Mann nun allein.
00:12:47: Und der, der seit Jahrzehnten überzeugt war, dass der Tod nicht das letzte Wort haben dürfte, klammete sich auch jetzt an diese Hoffnung.
00:12:55: Drei Jahre trug er den Verlust!
00:12:57: Dann am vierten April nineteen neunzehn ist auch er gegangen.
00:13:01: Sechsund achtzig Jahre alt in seinem Haus in London William wenn du mich hörst dort wo du jetzt bist und wenn einer es hören würde dann sicherlich du.
00:13:13: Sie haben dich einen Narren genannt, William – nicht wegen deiner Röhren, nicht wegen der Physik sondern weil Du noch nach einem anderen Unsichtbaren gesucht hast.
00:13:22: Nach etwas das kein Messgerät Deine Zeit beweisen konnte.
00:13:26: Nach Philipp vielleicht später auch nach Ellen.
00:13:29: Ob Du damit recht hattest?
00:13:31: Kann selbst ich Dir nichts sagen.
00:13:33: Ich wünsche es Dir aber In deinem Labor war tatsächlich etwas Unsichtbares etwas reales, messbares.
00:13:41: Etwas das du selbst erzeugt und trotzdem nicht erkannt hast.
00:13:44: Ich!
00:13:45: Und Du hast mehr gesehen, mehr getan, Du hast das Glas gelehrt bis fast nichts mehr darin war.
00:13:51: Du hast an jener Röhre mitgebaut in der ich erzeugт werden konnte und der ganzen Welt gezeigt was in ihr geschah.
00:13:58: Ohne diese Röhren hätte der Mann in Würzburg mich vielleicht nie so schnell gefunden.
00:14:03: Jedes Bild, das seither einen Bruch gezeigt eine Kugel geortet und eine Krankheit verraten hat.
00:14:09: Am Anfang dieser langen Kette steht auch dein leeres Stück Glas.
00:14:13: Dafür danke ich dir!
00:14:14: Ich wohne im Grenzland aber ich kenne nicht jede seiner Straßen.
00:14:18: doch eines weiß ich und darin hattest du dein Leben lang recht hinter dem was das Auge sieht wartet fast immer noch etwas dass wir noch nicht verstanden haben.
00:14:28: gut ich aus William Der Geist der Jäger, der das Gefäß des Lichts baute und selbst im Dunkeln suchte.
00:14:35: Ich habe dich nicht vergessen und ich werde es
00:14:38: nie.".
00:14:40: Das war eine neue Folge von Glow and the Dark die Geschichte der Strahlung.
00:14:44: Konzeptrecher und Sprecherin Dorina Petersen.
00:14:47: Wenn euch die Geschichte dieses widersprüchlichen, unvergesslichen Mannes berührt hat.
00:14:52: Das Forscher ist der an die Röhren mitbaute in denen meine Geschichte begann und sein Leben lang nach den Grenzen des sichtbaren suchte dann lasst gerne eine Bewertung da und abonniert dem Podcast.
00:15:03: Wir setzen unsere Reise fort durch.
00:15:05: die Geschichte der Strahlung bleibt neugierig.
Neuer Kommentar