Der König der Nordlichter

Shownotes

Warum leuchten die Nordlichter? Heute kennen wir die Antwort. Vor über hundert Jahren galt sie als unmöglich. Ray erzählt die außergewöhnliche Geschichte von Kristian Birkeland – einem Mann, der den Himmel verstand, lange bevor die Welt bereit war, ihm zuzuhören.

Transkript anzeigen

00:00:00: Die Geschichte lehrt uns Weisheit und sie bewahrt uns jene tiefe Demut, die uns im Alltag vor Fehlenschützt.

00:00:29: Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben nach Antworten suchen.

00:00:33: Nur manchmal verändert nicht die Antwort die Welt sondern die Frage, die jemand zu stellen wagt.

00:00:38: Einige unter euch sterben mit der Gewinnzeit gescheitert zu sein – dabei fehlte der Wahrheit häufig nur noch etwas Zeit!

00:00:46: Ihr habt Ludwig X. erkennen gelernt, den treuen Basler, den Freund der Konrad bis in die letzten Briefe hinein nicht losließt – weil man in einer echten Freundschaft niemanden loslässt!

00:00:57: Ihr habt gehört wie leise ein Leben ausklingt wenn es Zeit hatte gut zu werden.

00:01:03: Heute nehme ich euch woanders mithin, weit weg von dem Basler Studierstuben und den süddeutschen Sommergärten, dorthin wo die Wärme rar

00:01:11: wird."

00:01:12: Nach Norwegen In eine kleine Stadt am Ende eines langen Fjords mit dem Namen Christiania.

00:01:18: Heute kennt ihr es als Oslo.

00:01:20: An einem kurzen Wintertag, im Dezember, die binundsechzig wurde in einem Haus einer bürgerlichen Familie ein Junge geboren der später den ganzen Nordhimmel erklärt ohne dass die Welt ihm dafür jemals danken wird nicht zu Lebzeiten jedenfalls.

00:01:36: Ich habe ihn sehr gemocht anders als Konrad.

00:01:39: er hat etwas seltenes sehr faszinierendes erforscht.

00:01:43: Ich muss euch einfach von ihm erzählen.

00:01:45: Ich bin Ray und sein Name war Christian Olaf Bernhard Birkeland, aber eigentlich nannten ihn alle Christian.

00:01:53: Willkommen zurück Folge elf der König der Nordlichter.

00:02:00: Ihr kennt mich inzwischen als die Röntgenstrahlung Aber ich war nie allein.

00:02:04: meine Geschichte ist ein Teil einer viel größeren Geschichte der Geschichte des Unsichtbaren.

00:02:09: Warum also erzähle ich Euch heute von Christian Birkeland?

00:02:13: Er hat mich nicht entdeckt.

00:02:15: Er hat sich nicht benannt, er hat nicht einmal nach mir gesucht und doch gehörte in meiner Geschichte.

00:02:21: Denn bis zu ihm glaubten viele Menschen Strahlung und Elektrizität sei in Dinge aus einem Labor.

00:02:27: Christian schaute in den Himmel.

00:02:29: Er zeigte dass dieselben Naturgesetze auch zwischen Sonne und Erde wirken.

00:02:34: Er machte aus der Physik eines Zimmers die Physik des ganzen Planeten.

00:02:43: Die Stadt liegt an einem breiten Fjord im Süden Norwegens, eingerahmt von den bewaldeten Hügeln die im Winter blau wären.

00:02:51: Im Dezember bleibt das Tageslicht kurz und flach.

00:02:54: Die Sonne steht nur wenige Stunden über dem Horizont und schon am Nachmittag leuchten die Fenster.

00:03:00: Im Haus der Familie Birkeland kommt an diesem Tag ein Sohn zur Welt.

00:03:04: Sein Vater heißt Reinhärt – er war Kaufmann mit einem eigenen Handel für importierte Waren.

00:03:09: Seine Mutter heisst Ingeborg Geborene.

00:03:12: Sie geben den Jungen drei Namen.

00:03:15: Christian, Olaf, Bernhardt.

00:03:17: Er wird das Kind einer bürgerlichen Familie in einer Stadt sein die man außerhalb Norwegens damals kaum kennt.

00:03:24: Er wird unabfällig sein – in allem was seinen Vorstadtjungen unauffällig macht!

00:03:29: Außer in einer Sache er sieht Dinge die andere übersehen.

00:03:34: Er sieht wie das Licht in der Küche flackert wenn sein Vater die Petroleumlampe anzündet und stellt Fragen, die man Kinder in den Siebziger- und Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts nicht so leicht beantworten konnte.

00:03:46: Er sieht wie sich eine Kompassnadel benimmt wenn man ein Stück Eisen daneben legt – und vielleicht sah er auch jenes seltene Phänomen in den Nächten, in denen selbst über Christiania ein grünes Leuchten erschien?

00:04:00: Es war kein Polarlicht wie in der Finnmark aber genug um in einem klugen Kind eine Frage aufkommen zu lassen, die es nie wieder loslässt!

00:04:08: Ich stelle mir vor, ob er mit acht neun Jahren aus der Haustür in die kalte Winternacht tritt und den Kopf in den Nacken legt.

00:04:15: Ob er in dieser Nacht wirklich ein Nordlicht sah?

00:04:18: Weiß ich nicht genau!

00:04:20: Aber ich weiß dass irgendwann seiner Kindheit einer dieser seltenen Vorhänge über Christiania gezogen sein muss.

00:04:27: Er hat später auch darüber geschrieben – ich glaubte

00:04:30: ihm.".

00:04:31: Mit achtzehn Jahren veröffentlichte Christian seine erste wissenschaftliche Arbeit.

00:04:36: Andere junge Männer schreiben in diesem Alter Liebesbriefe oder sitzen im Wirtshaus.

00:04:40: Christian schreibt Gleichungen, er studiert an der Königlichen Frederiks Universität in seiner Heimatstadt – der einzigen Universität die Norwegen zu dieser Zeit besitzt.

00:04:51: Er verlies sie fast nie und wenn dann nur um Kraft zu sammeln!

00:04:55: Januar, eighteenhundertdreiundneunzig.

00:04:57: Christian ist fünfundzwanzig Jahre alt.

00:04:59: Er hat die Universität von Christiania mit Auszeichnung abgeschlossen.

00:05:03: Er hat schon einige Aufsätze zur Elektrodynamik veröffentlicht und dann bekommt er was ein junger Wissenschaftler in Norwegen selten bekam Ein Stipendium für Auslandsaufenthalte.

00:05:13: Er reiste also los Zuerst nach Paris In eine Stadt, die er nur aus Büchern kannte.

00:05:19: Die Sorbonne war damals das mathematische Zentrum Europas.

00:05:23: Er hört Vorlesungen bei einem Mathematiker namens Paul Appell, der später Präsident der französischen Wissenschaftsakademie wird.

00:05:49: Christian schrieb in einem Brief an seinen Freund Wilhelm Bierknis, dass der Poirkaré nicht nur in der Vorlesung erlebte.

00:05:59: Poircarré empfing ihn auch einmal zu Hause – da stand er ein norwegischer Nachwuchsphysiker im seinem besten Anzug und ein französischer Universalgelehrter, der ihn höflich und interessiert behandelte.

00:06:12: Von Paris zur Christian-Weiter, sieben Monate verbringt er in Genf.

00:06:17: Am See, der in dem Alpenrand gebettet ist, arbeitet er bei zwei Schweizer Physikern Lucien de la Revée und Édouard Sarrasin.

00:06:25: Lucien, der Sohn von Auguste de la revée – eine berühmten Elektrizitätsforscher der vorigen Generation.

00:06:33: In dieser Genfer Werkstatt vertieft sich Christian in die neuesten Arbeiten zur elektromagnetischen Wellenlehre den Arbeiten Heinrich Herz, die noch keine drei Jahre alt sind.

00:06:44: Von Genf aus reiste Christian weiter nach Bonn.

00:06:47: Am Rhein, in einem physikalischen Institut, arbeitet es zu diesem Zeitpunkt eben jener Heinrich Herz selbst.

00:06:54: Christian trifft dort einen bereits schwer kranken Mann.

00:06:58: Am ersten Januar an eighteenhundertvierundneunzig wird Herz mit sechs und dreißig Jahren an einer chronischen Erkrankung sterben.

00:07:05: Sein Assistent Philipp Lennart – ihr kennt den schon!

00:07:08: Wenige Jahre älter als Christian war zu dieser Zeit ebenfalls im Bonn.

00:07:12: Christian hat also den Physiker mit eigenen Augen gesehen, der die Radiowellen zum ersten Mal aus dem Nichts gezaubert hatte.

00:07:20: Ihr könnt euch diesen intensiven letzten Blick auf einem Meister kaum vorstellen!

00:07:25: Und dann ging es nach Leipzig – bei einem norwegischen Landsmann, der dort Mathematikprofessor geworden war, Sophus Li, einem der bedeutendsten Mathematiker der Zeit.

00:07:37: Liegruppen, die er entwickelt hatte sind heute Grundwissen jeder theoretischen Physik.

00:07:43: Im August eighteenhundertfünfundneinzig kehrt Christian nach Christiania zurück.

00:07:48: Zweieinhalb Jahre war er unterwegs – drei Universitäten hat er gesehen ein Bild von modernen Europa in seinem Kopf verankert und ein Gedanke den er noch nicht ausspricht.

00:07:58: Wenn Kartonstrahlen sich im Magnetfeld krümmen dann tun das vielleicht auch die Teilchen, Dann könnte man die Nordlichte physikalisch erklären.

00:08:35: elektrisch geladene Teilchen ausgeschleudert von einem Stern, der einhundertfünfzig Millionen Kilometer weit entfernt ist.

00:08:42: Vom Magnetfeld der Erde beeinflusst auf die Polarregionen gelenkt und dort wenn sie auf die obere Atmosphäre treffen den Himmel in grünen und violett Licht tauchen.

00:08:54: Es ist im Kern heute Schulwissen aber es war zu diesem Zeitpunkt noch nicht das endgültige Bild.

00:09:01: Christian wird an dieser Theorie über zwanzig Jahre weiter pfeilen und die Magnetosphärenphysik wird sich erst nach seinem Tod entwickeln.

00:09:09: Die Wissenschaftler seinerzeit waren sehr skeptisch und sehr kritisch, Ströme, die den scheinbar leeren Raum zwischen Sonne- und Erde durchqueren – das wie der Sprach einem großen Namen, den ihr in dieser Reihe schon gehört habt!

00:09:22: Lord Kelvin hatte in einer viel beachteten Rede erklärt, dass ein direkter Zusammenhang zwischen den Sonnenflecken und dem Erdmagnetismus physikalisch unmöglich sei.

00:09:33: Und wenn Lord Kelvin etwas sagte, dann sagte man in London oder Cambridge oder Paris oder Berlin nicht so leicht das Gegenteil.

00:09:42: Auch Arthur Schuster, ein deutschstämmiger Physiker aus Manchester, den ihr auch noch hören werdet äußerte sich äußerst zurückhaltend – er hatte andere Theorien!

00:09:52: Aber Christian ist Norweger.

00:09:53: Und Norwege, das habe ich in meinen Jahrhunderten gelernt, geben nicht auf wenn ein Engländer skeptisch ist schon gar nicht!

00:10:00: Sie zeigen es ihnen und Christian beschließt den Beweis nicht in eine Debatte zu führen.

00:10:05: Er zieht also los – aufs Hettle Plateau in der Finnmark weit nördlich des Polarkreises dorthin wo die Sonne im Winter tatsächlich nicht aufgeht.

00:10:14: Auf dem Gipfel eines nackten Berges, neunhundert Meter über die Meeresspiegel lässt er ab nineteenhundert ein Observatorium bauen.

00:10:22: Und nicht nur eines!

00:10:23: Er baut mit norwegischer Regierungsunterstützung einen Netzwerk von magnetischen Messstationen unter anderem bei Kjafjord und Bossekopp in der Finnmark.

00:10:33: Er will die Nordlichte nicht länger nur sehen und denken, er will sie messen – systematisch.

00:10:37: Ein magnetisches Netzwerk quer durch das Nichts.

00:10:41: Stellt euch das nur einmal vor Vier oder fünf Männer, ein Ofen.

00:10:45: Ein Barograf, einen Magnetometer und Wind der wie ein Tier gegen die Bretterwand des Observatoriums schlägt.

00:10:52: Christian steht im Freien wenn die Aurora auflammt Der Atem an seinem Barspitzen gefrore Und seine Notizbücher trug er in der gefütterten Innentasche seines Mantels damit die Tinte nicht gefroren.

00:11:04: Auf einer seiner Expedition sind zwei Männer gestorben.

00:11:07: Die Kälte und die Bedingungen waren so unerbittlich.

00:11:10: Christian hat das getragen.

00:11:12: Er hatte seine Fluch genannt, doch er hat weitergemacht.

00:11:15: Er war es ihnen schuldig das Geheimnis zu

00:11:18: lösen.".

00:11:29: Er hatte einen Namen, den man in Norwegen kannte.

00:11:44: Ninzehunderteins zurück in Christiania jedoch werden seine Theorien noch immer angezweifelt.

00:11:49: Seine Messdaten werden von den Herren aus London als Ausnahmen weggeschoben und dann tut Christian etwas das nur ein Mensch tun kann der das Wunder wirklich gesehen hat er entscheidet das Universum mit seinem Labor nachzubauen.

00:12:02: Er nimmt eine kleine Metallkugel und magnetisiert sie.

00:12:06: Er baut sie an eine Vakuumkammer ein in der noch ein wenig Restgas vorhanden ist Und dann richtet er einen Strahl aus Kartonstrahlen, Elektronen, winzig kleine geladene Teilchen genau auf diese Kugel.

00:12:18: In der verdünnten Gasatmosphäre entstanden leuchten die Ringe und Bögen nahezu den magnetischen Fohlen der Kugeln.

00:12:25: Farbe und Form hängen ab vom Druck, der Gasart und der Anordnung – da war sie!

00:12:31: Eine kleine künstliche Verwandte des Polarlichts ein Miniatur-Aurora auf einer Kugl in einer Kiste, in einem Labor – in Christiania.

00:12:41: Er nannte diese Kugel Terrella kleine Erde so was ähnliches hatte William Gilbert um sechzehnhundert schon einmal gebaut.

00:12:48: er nannte es nur nicht so und das diente nicht der Erforschung der Nordlichter.

00:12:52: Ich war übrigens da bei Christian.

00:12:55: ich war nicht jener Elektronenstrahl!

00:12:57: Ich war nicht.

00:12:58: das grüne Leuchten auf der Kugeln Das grüne leuchten sind angeregter Atome im Restgas Fluorescence.

00:13:04: Der Strahl sind Elektronene.

00:13:06: Aber überall dort, wo schnelle Elektronen auf Materie prallen, bin ich nie weit weg.

00:13:11: Manchmal entdehe ich dabei selbst als sogenannte Bremsstrahlung – unsichtbar, energiereicher und gefährlicher als das Licht, dass ihr auf der Kugel sehen

00:13:20: könnt.".

00:13:20: Christian wusste das nicht!

00:13:22: Er hätte es wissen können….

00:13:23: Konrad hatte seine Röhre nur wenige Jahre zuvor entdeckt ….

00:13:27: aber er hatte in diesem Kammern definitiv andere Dinge im Sinn.

00:13:31: Er baute übrigens nicht nur eine Terrella.

00:13:33: Er baut im Laufe der Jahre siebzehn Vakuumkammeln in verschiedenen Formen und Größen.

00:13:38: Die früheren, zylintrisch- und kugelförmig die späteren Kastenförmig mit der Größe eines Tausend Liter Aufbaus – jene selbst das Universum nannte.

00:13:48: Siebzehnt kleine Welten verteilt in einem Labor an der Königlich Fredericks Universität jede eine neue Frage an die Sterne.

00:13:56: Aber Terella-Experimente kosteten Geld und Christian hatte keines, also tut er was ein Mensch tut wenn er eine Obsession bezahlen muss.

00:14:03: Er verkauft einen Nebeneffekt aus einem Versuch eine elektromagnetische Kanone für all den norwegische Armee zu bauen ist im.

00:14:15: Die Kanone selbst war ein Fehlschlag, die Militärvorführung hatte ihn öffentlich plammiert.

00:14:20: Aber der Bogen war ein Wunder!

00:14:21: Und Christian, der sein Leben lang das Leuchten geliebt hat, sah in diesem Bogen einen künstlichen Blitz und Blitze – das wusste er – binden Stickstoff aus der Luft.

00:14:31: Er tat sich mit einem Ingenieur zusammen Sam

00:14:33: Eidt.,

00:14:34: Ein Jahr älter als Christian, geschäftstüchtig, elegant.

00:14:38: Zusammen bauten sie an den Wasserfällen von Nothonnen, südwestlich von Christiania gewaltige Reaktoren.

00:14:44: In extrem heißen Lichtbogen reagieren Stickstoff und Sauerstoff der Luft zu Stickstoffoxiden.

00:14:51: Daraus lässt sich Salpetersäure und schließlich Calciumnitrat herstellen – Kalksalpeter ein künstlicher Dünger für die hungrige Welt.

00:14:59: Aus dem Vertrag der beiden Männer wird eine Firma und aus dieser Firma Den Konzern gibt es heute noch.

00:15:07: Er ist einer der größten Norwegens.

00:15:09: Seinen Ursprung hat er in einem gescheiterten Militärexperiment und genau hier beginnt Christian etwas zu verlieren.

00:15:17: Eidt is Kaufmann, Christian nicht!

00:15:19: Eid wird zum Unternehmer- und zum Machtzentrum des Projekts.

00:15:22: Christian bleibt Erfinder und wird zum technischen Berater auf Lebenszeit ernannt mit einer anfänglichen Vergütung von fünfzehntausend Kronen im Jahr die später erheblich stiegen und die einen Großteil seiner weiteren Forschung finanzieren sollten.

00:15:36: Dennoch verlor er zunehmend die Kontrolle darüber, was aus seiner Idee geworden war.

00:15:41: Unterschmerzt einen Erfinder oft mehr als jede finanzielle Frage.

00:15:45: Er erlitt in dieser Zeit gesundheitliche Krisen.

00:15:48: Sein Arzt verschrieb ihm ein Beruhigungsmittel.

00:15:51: Es war ganz neu auf dem Markt angeblich harmlos Angeblich präzise dosierbar.

00:15:56: es hieß Veronal Ein Barbitorat.

00:16:00: Ich weiß nicht, wann aus dem Schlafmittel eine Abhängigkeit wurde.

00:16:04: Nur dass Vironal ihn von da an immer enger begleitete und ich zusehen musste wie er verviel.

00:16:20: Es war wie so viele bürgerliche Ehen in seiner Welt eine, die aus Bekanntschaftskreisen entstand.

00:16:34: Am Vormittag seiner eigenen Hochzeit hielt Christian noch eine Vorlesung an der Universität und die Flitterwochen führte das Paar nach Nordtodden auf des Gelände der neuen Fabrik.

00:16:43: Sie trennten sich recht schnell wieder – bereits neunzehntelf wurde die Ehe wieder offiziell geschieden….

00:16:48: keine Kinder!

00:16:50: Christian übernahm die Schuld und richtete Ida einer jährliche Rente von fünftausend Kronen ein solange sie leben und nicht wieder heiraten würde.

00:17:06: Und dann bricht der Erste Weltkrieg aus.

00:17:20: Seine Freunde reisen heim nach Europa, Christian bleibt in Afrika.

00:17:24: Sein Weronalkonsum stieg.

00:17:26: Sein Misstrauen wuchs.

00:17:28: Er beginnt zu glauben, dass Menschen ihn nach dem Leben trachten.

00:17:31: Sein Weronalkonsum dürfte diese Vorstellungen erheblich verstärkt haben was Medikamenterschöpfung und psychische Erkrankungen jeweils beitrugen?

00:17:40: das kann ich natürlich nicht genau sagen.

00:17:42: Er entscheidet nach Norwegen zurückzukehren aber nicht auf den direkten Weg.

00:17:47: aus Angst vor deutschen U-Boden im Mittelmeer und im Atlantik nimmt er die falsche Richtung östlich um die Welt über den Pazifik über Japan.

00:17:56: Tokyo, Juni.

00:17:59: Christian steigt in einem Hotel in Sayoken ab – einem im europäischen Stil erbauten Hotel.

00:18:05: Er hat Kollegen an der Universität Tokyo mit denen er weiterarbeiten möchte vor allem Hantaro Nagaoka den bedeutendsten japanischen Physiker seiner Zeit.

00:18:16: Er ist neunvierzig Jahre alt und hat keinen einzigen Nobelpreis in seinem Zimmer stehen.

00:18:21: mehrfach war er dafür vorgeschlagen worden.

00:18:23: häufig sind von sieben Nominierungen die Rede bekommen hat er nie einen.

00:18:29: In der Nacht auf den fünften Juni geschieht etwas, das ich bis heute nicht vollständig verstehe.

00:18:35: Am Morgen finden ihn die Angestellten des Hotels im Bett.

00:18:39: In seinem Körper werden ungefähr zehn Gramm Veronal festgestellt.

00:18:43: Das ist das zwanzigfache einer verordneten Einzeldosis.

00:18:47: Neben der Veronalpackung lag auch ein Revolver auf dem Nachtisch.

00:18:51: Ob er gehen wollte Ob er in einem letzten klaren Augenblick den Griff nach der Waffe, in dem Griff nach dem Fläschchen verwandelte?

00:18:59: Ob bei Verwirrung eines Abhängigen einfach nicht mehr wusste wie viele Tabletten er schon geschluckt hatte.

00:19:05: Das weiß ich nicht – er sprach nicht!

00:19:08: Ich war dort aber kann es euch nicht sagen.

00:19:11: Ich habe seine Hand nicht losgelassen und begleitete ihn ins Jenseits.

00:19:16: Europa hatte gerade viele Tote zu

00:19:18: betrauen.".

00:19:19: Wegen des Krieges konnte seine Asche erst nach dem Waffenstillstand nach Norwegen überführt werden.

00:19:25: Es dauerte bis zum Jahr und zweizehntelang war Christian's Grundidee in der Geophysik umstritten, Der einflussreiche britische Mathematiker Sidney Shepman entwickelte ab den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhundert eine eigene Theorie der magnetischen Stürme, in der er für Birkelands Feldlinienparallelströme keine zentrale Rolle vorgesehen war.

00:19:56: Shepmann ist übrigens zu Christians Lebzeiten kein Kritiker gewesen – als Christian, aus dem Jahr eightehnundneinzig eine Theorie publizierte, war Shep man acht Jahre alt.

00:20:04: Es ist eine postume Fede!

00:20:07: Nur wenige hielten an Christians Grundidee fest.

00:20:10: Auch ein norwegischer Kollege namens Karl Stormer arbeitete am Teilchenbahnen im Erdmagnetfeld weiter, aber einer der hartnäckigsten und später einflussreichsten Verteidiger einer plasmaphysikalischen Sicht war ein schwedischer Physiker namens Hannes Alphen.

00:20:25: Als Christian in Tokio starb, war diese Alfen neun Jahre und sechzehn Tage alt.

00:20:30: Er war am dreißigsten Mai in Norrköpping in Schweden geboren.

00:20:34: Seine Mutter, Anna Clara Romanus Alphen war eine der ersten Ärztinnen in Schweden.

00:20:40: Ein Junge irgendwo in Nordköpping, den noch nichts von Sonnen winden und Feldparallelen strömen wusste – genau dieser Junge wurde später einer der Physiker die Christians Grundgedanken sein ganzes Leben lang verteidigen sollten gegen die Schäbmenschule gegen den Zeitgeist.

00:20:55: Im Jahr neunzehntsiebzig, drehenfünfzig Jahre nach Christians einsamen Tod in Tokio bekam Alphen die Auszeichnung, die Christian nie bekam den Nobelpreis für Physik, für grundlegende Arbeiten und Entdeckungen in der Magnethydrodynamik.

00:21:09: Für ein wissenschaftliches Feld zu dessen frühen Wegbereiter noch Christian XVII.

00:21:13: Vakuumkommen gehörten.

00:21:15: Und in den späten Sechziger- und den Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts kam schließlich die Bestätigung vom Himmel selbst.

00:21:22: Amerikanische Satelliten flogen in die Höhe, in der Christian Ströme fließen

00:21:26: sollten.".

00:21:26: und sie maßen große elektrische Ströme, die entlang der Feldlinien des Erdmagnetfeldes zwischen den Magnetoferen- und Polaregionen fließen.

00:21:35: Die Messungen bestätigten den Kern seiner Idee – nicht jedes Detail seines Modells war richtig, aber der Gedanke über den man so lange gesportet hatte war real.

00:21:44: In der Fachliteratur wurden diese Strömen zum ersten Mal offiziell nach ihm benannt.

00:21:51: Heute nennt sich jedes Lehrbuch der Weltraumphysik.

00:21:55: Die Birkelandströme.

00:21:57: Er hatte Recht gehabt, in der Sache – nicht in der Zahl aber im großen Bild.

00:22:02: Seit fournundneinzig trug die norwegische Zweihundert-Krone-Note Christians Gesicht.

00:22:06: Erst zwei tausendachzehn verlor die Banknotenserie ihre Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel.

00:22:12: auf der Rückseite die nördlichen Polaregionen Motive aus seiner Forschung zum Erdmagnetismus und Polarlicht.

00:22:19: Ein ganzes Land, das seinem Sohn recht gab, in dem es sein Bild in die Hosentaschen jedes Fischers, jedes Kindes, jedes Rentners legte.

00:22:27: Es gibt einen Arzttheoriden Nummer sechzehntausend sechshundertvierundsiebzig!

00:22:32: Es gibt eine Krater auf der Rückseite des Mondes.

00:22:35: Es ist eine Statue Nordtodden dort wo die künstlichen Blitze rauschten und im Forschungszentrum von Hydro im Porsgrun steht seine Büste.

00:22:44: Der Junge aus Christiania, der als Kind schon zum Himmel hinauf sah hat jetzt seine eigenen kleinen Himmelskörper.

00:22:50: Christian!

00:22:51: Wenn du das hörst dort wo du jetzt bist verzeih mir dass ich in Konrad's Röhre laut war und in deinen Kammern nur ein leiser Schatten hinter dem Elektronen strahl.

00:23:02: Verzei'e der Welt daß sie so lange gebraucht hat.

00:23:05: aber Du hast Begriffen was viele nicht begriffen haben Dass zwischen Sonne und Erde etwas fließt Das der Himmel selbst sein elektrisches Wesen ist dass die Physik nicht in den Institutsseelen endet, sondern draußen weitergeht wo es kalt und weit ist.

00:23:21: Dafür danke ich dir!

00:23:23: Solange er es Nordlicht ergibt wird es dich

00:23:25: geben.".

00:23:27: Und während Christian im hohen Norden seine Terella zum Leuchten brachte verhandelten weiter südlich in der Stadt aus Musik- und Gerüchten gerade zwei Männer über eine Zeitungsnachricht, die alles verändern sollte Ein Vater in einer Redaktion, ein Sohn im Labor eines Physikprofessors und ein Name den ich lange gefürchtet und lange geliebt habe.

00:23:47: Wie meine Geschichte in Wien zum ersten Mal auf eine Frühstückszeitung landete.

00:23:50: Bevor Konrad selbst so richtig begriffen hatte was da geschehen war davon erzähle ich euch nächste Woche!

00:23:57: Das war eine neue wirklich sehr persönliche Folge von Glow & the Dark die Geschichte der Strahlung.

00:24:03: Konzept, Recherche und Sprecherin Dorina Petersen.

00:24:05: Wenn euch Christians Geschichte auch berührt hat, lasst gerne eine Bewertung da und abonniert den Podcast.

00:24:12: Wir sehen uns beim nächsten Mal in Wien.

00:24:17: Bleibt neugierig!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.