Der Freund aus einem anderen Holz

Shownotes

Zwei Männer. Ein Brief. Und zwei völlig verschiedene Reaktionen.

In der letzten Episode haben wir in ein von Neid vergiftetes Labor geblickt. Heute reisen wir an einen Ort voller Wärme, Loyalität und lebenslanger Verbundenheit.

Als Wilhelm Conrad Röntgen am 1. Januar 1896 seine Entdeckung verschickt, landet der Brief auch bei einem ganz besonderen Schweizer: Ludwig Zehnder. Er erhält nicht nur irgendeine Nachricht, sondern einen Originalabzug von Berthas berühmter Hand – und reagiert mit reiner, ungetrübter Mitfreude.

In dieser Folge von Glow in the Dark erzählt euch Ray die Geschichte eines genialen Erfinders, treuen Wegbegleiters und Retters:

Der Beinahe-Moment: Wie Ludwig Zehnder die Röntgenstrahlen fast schon fünf Jahre vor ihrer Entdeckung im Labor aufblitzen sah.

Das Mach-Zehnder-Interferometer: Ein genialer Coup aus dem Jahr 1891, dessen Prinzip heute in unseren Glasfaserkabeln und Quantencomputern steckt.

Das erste Ganzkörper-Mosaik: Wie Zehnder den ersten Menschen der Geschichte Stück für Stück von Kopf bis Fuß durchleuchtete.

Der Retter von Röntgens Stimme: Warum wir heute überhaupt so viel über den privaten, verschlossenen Röntgen wissen – und warum Zehnder dafür einen letzten Wunsch seines Freundes brechen musste.

Eine Folge über die wohl schönste Prüfung des Charakters: Wie wir auf das Glück eines anderen reagieren.

Transkript anzeigen

00:00:00: Die Geschichte lehrt uns Weisheit und sie bewahrte uns jene tiefe Demut, die uns am Alltag vor vielen schützt.

00:00:29: Ich bin Ray – ich bin das Licht, dass ihr nicht sehen könnt!

00:00:32: Und ich möchte euch meine Geschichte erzählen.

00:00:34: Das geht aber nur wenn ihr auch die Geschichten vieler anderer hört.

00:00:38: Auf meiner letzten Reise habe ich euch mit in ein vergiftetes Labor genommen Zu einem großen Mann den der Neid von innen aushüllte.

00:00:46: Heute erzähle ich euch von einem Menschen Der das Gegenteil darstellt Von einem Mann der den selben Brief bekam, dieselbe Nachricht aus Würzburg und der daraus nicht Gift machte sondern Treue.

00:00:59: Willkommen zurück Folge zehn!

00:01:01: Der Freund aus anderem Holz.

00:01:05: Manchmal wenn ihr das Beste im Menschen sehen wollt müsst ihr nur hinschauen wie er auf das Glück eines anderen reagiert.

00:01:14: Sein Name war Ludwig Zehende Ein Schweizer geboren in Ilnau bei Zürich mit einem Lebensweg so eigen wie er selbst.

00:01:24: Er begann nämlich nicht als Gelehrter, er studierte Maschinenbau führte fünfzehn Jahre lang eine Fabrik für elektrische Geräte in Basel – ein Mann der Praxis, der Hände, der Werkstatt!

00:01:35: Aber das genügte ihm nicht.

00:01:37: Mit über dreißig warf er das gutgehende Geschäft hin und ging nach Berlin um endlich das zu studieren was er wirklich machen wollte.

00:01:45: Physik, er lernte beim großen Helmholz und dann kam der Mann, der sein Leben prägen sollte – Wilhelm Konrad Röntgen.

00:01:55: Die beiden kannten sich schon aus ihren Studienjahren in Zürich.

00:01:59: Aus Kollegen wurden Freunde, aus Freunden ein bunt fürs Leben.

00:02:03: Zehender wurde Konrads Assistent, stand mit ihnen an denselben Beraten in den selben verdunkelten Räumen, in den Jahren um eighteen Hundert neunzig.

00:02:13: Später sollte er Selbstprofessor werden!

00:02:16: in Basel.

00:02:17: Aber sein Herz gehörte immer auch ein Stück diesem einen Freund, ein treueres Herz habe ich in dieser ganzen Geschichte selten gefunden.

00:02:27: Zehnte war klug – richtig klug!

00:02:29: Schon Jahre vor unserer Geschichte im Jahr eighteenhundertneinundneinzig baut er ein Instrument von solcher Eleganz das er seinen Namen bis heute durch jedes Physiklabor der Welt trägt.

00:02:40: Er brauchte ein Gerät, um einen Lichtstrahl in zwei Teile zu teilen.

00:02:44: Die beiden Hälften weit auseinanderzuführen und dann wieder zu vereinen – um noch die wenigsten Unterschiede zu messen, die ein Stoff dem Licht antut.

00:02:53: Also konstruierte er es kurzerhand selbst!

00:02:57: Heute kennt man es als das Machtzehnte interferometer.

00:03:02: Wir reden hier nicht von einem Museumsstück.

00:03:04: Dieses Prinzip steckt in der Glasfasertechnik, die eure Nachrichtung die Welt schickt.

00:03:09: Es steckt in den Quantencomputern, mit denen man gerade die Zukunft baut.

00:03:14: Er steckt den Laboren, in denen man mit einzelnen Lichtteilchen handiert.

00:03:19: Dieser sanfte treue Schweizer hat der Menschheit ein Werkzeug geschenkt das noch heute in der modernen Technik arbeitet und die allermeisten, die es benutzen wissen gar nicht wer es erfunden hat.

00:03:31: Das ist das Schicksal fast alle Menschen in meinen Geschichten.

00:03:36: Ich kannte Zehender schon lange vor Würzburg.

00:03:39: Im Jahr eightiehundneinzig, als er Konrad's Assistent war, sah er eines Tages einen kurzen Lichtblitz auf einem Leuchtschirm aufflackern.

00:03:47: Genau in dem Augenblick als eine umhöhlte Röhre die ihr einschaltete zerbrach – ein Aufblitzen!

00:03:54: Ein Wink!

00:03:55: Ich war es….

00:03:56: ich stand direkt vor ihm….

00:03:58: Aber der Moment verging ….

00:03:59: Die Röhren war hin.. Der Alltag ging weiter und niemand dachte weiter darüber nach... Auch mein treuer Zehender ging an der Tür vorbei, an der Konrad fünf Jahre später innehalten sollte.

00:04:10: So knapp war es!

00:04:12: Wie so oft bei so vielen war's so unendlich knapp.

00:04:16: Es brauchte nicht nur ein Auge das mich sah – es brauchte den einen Menschen, der stehen blieb und fragte… was ich

00:04:23: bin.".

00:04:26: Am ersten Januar, auch er den Brief bekam.

00:04:30: Erinnert ihr euch an Lennart in Aachen?

00:04:32: Anders entsetzten in seinem Gesicht, als er die Fotografie aus dem Umschlag glitt und sah.

00:04:38: Okay!

00:04:39: Und jetzt schauen wir nach Freiburg zu Zehender.

00:04:42: auch er bekam Post von Konrad aber er bekamen etwas mehr als fast alle anderen.

00:04:48: Conrad schenkte seinem treuen Freund einen Abzug seines allerersten Bildes überhaupt Bär das Hand vom Zweiundzwanzigsten Dezember mit dem Ring am Finger und es war kein beliebiger Nachdruck sondern ein Original.

00:05:01: Dieses Bild existiert noch heute und man kann Konrad Zwidmung darauf lesen.

00:05:05: So sehr vertraute er diese Mann!

00:05:09: Und als Zehender das Bild in den Händen hielt, war in seinem Gesicht keine Spur von Neid, kein Grübeln.

00:05:15: wäre hier wem was schuldete.

00:05:17: Da waren nur helle ungetrübte Freude für seinen Freund.

00:05:21: Das selbe Foto dass Lennart in einen verbitterten Mann verwandelte ließ Zehnder vor Stolz und Glück strahlen.

00:05:28: Zwei Männer ein Brief zwei Herzen aus völlig verschiedenen Holz.

00:05:33: Genau das ist der Kern der heutigen Geschichte und vielleicht die wichtigste Prüfung, die es für einen Charakter gibt.

00:05:41: Zehn der Freude sich nicht nur – er handelte!

00:05:44: Und wie?

00:05:45: Ihr müsst wissen damals konnte keine einzige Fotoplatte einem ganzen Menschen erfassen.

00:05:51: Ich reichte für eine Hand, einen Fuß, einen Brustkorb aber niemals für einen Körper von Kopf bis Fuß.

00:05:57: Für die meisten war damit die Sache also erledigt Nicht für Zehende.

00:06:02: Er tat etwas so herrlich Verrücktes, dass ich ihn dafür liebte.

00:06:06: Er durchleuchtete einen lebenden Menschen Stück für Stück Aufnahme um Aufnahme Ein Dutzend und mehr Einzelbilder Jedes für sich sorgfältig belichtet Und dann setzte er sie zusammen wie ein Mosaik Wie ein Puzzle aus Schatten Zu einem einzigen Lebensgroßen Ganzen Ein vollständiges Skelett vom Schädel bis zu den Zählen.

00:06:27: Zum vielleicht ersten Mal in der Geschichte konnte die Menschheit einen lebenden Menschen als Ganzes sehen, wie er wirklich unter der Haut aussieht.

00:06:34: Ein aufrechtes Klett aus vielen Bildern und mit viel Geduld zusammengefügt.

00:06:39: Stellt euch vor, wie das für die Menschen damals gewesen sein muss!

00:06:43: Es war unheimlich und wunderschön zugleich – und es war das Werk eines Mannes, der nichts anderes wollte als zu sehen,wie weit man mit mir gehen konnte.

00:06:59: Doch das größte, was er tat, geschah nicht in seinem Labor.

00:07:03: Es geschah aus reiner Freundschaft außerhalb dieser Wände – denn ohne ihn wüssten wir heute viel weniger über den Menschen.

00:07:10: Wilhelm Konrad

00:07:11: Röntgen.".

00:07:13: Erinnert ihr euch?

00:07:14: Ich habe es bereits angesprochen!

00:07:16: Konrad war ein zutiefst verschlossener Mann und er wollte dass das so bleibt.

00:07:21: Er ordnete an, dass nach seinem Tod alle seine persönlichen Aufzeichnungen und ein großer Teil seiner Briefe verbrannt werden sollten….

00:07:29: Er wollte kein Aufsehen, kein Denkmal, keine ausgebreitete Biografie seiner Seele.

00:07:35: Ein großer Teil dieses stillen Menschen hätte also für immer verschwinden sollen – in Rauch aufgehend und gehört!

00:07:42: Aber Zehender hatte über Jahrzehnte hin jeden Brief aufbewahrt den sein Freund ihm geschickt hatte.

00:07:49: Jeden einzelnen.

00:07:50: Und im Jahr nineteenhundert fünfunddreißig holte er diese Briefe heraus und schrieb das Leben seines Freundes auf.

00:07:58: Fast nur deshalb hören wir bis heute Konrads Stimme in Wort und Schrift.

00:08:03: Seine Zweifel, seine Wärme, seinen trockenen Humor, seine Sparsamkeit die ihm auch als weltberühmten Mann um Röhrenpreise falschen ließen.

00:08:13: All das kennen wir weil ein treuer Schweizer die Worte seines Freundes nicht im Feuer überließ.

00:08:19: Er verstieß gegen den Wunsch Konraths – doch sollten wir ein Stück dankbar dafür sein!

00:08:27: Was für ein Gegensatz!

00:08:28: Blendard versuchte Konrad's Namen von meinen Strahlen zu trennen, ihn zu vernichten.

00:08:33: Sein Werk und seine Arbeit.

00:08:35: Zehender sorgte dafür dass Konrad Seele nicht verloren ging, bewahrte sie über Jahrzehnte hinweg bis heute auf.

00:08:42: Der eine wollte auslöschen der andere rettete.

00:08:45: Und wenn ich die Strahlung mir aussuchen dürfte welcher der beiden mein Freund fürs Leben sein sollte Ich müsste keine einzige Sekunde überleben.

00:08:55: Ludwig X. lebte ein langes treues Leben, im Ersten Weltkrieg arbeitete er in der Röntgenabteilung eines Schweizerspitals und half Verwundeten zu Heide.

00:09:06: Der Mann, der mich nur als Blitz gesehen hatte, arbeite nun jeden Tag mit mir – wir waren gute Freunde!

00:09:14: Und ich begleitete ihn bis zum Schluss.

00:09:17: Er blieb sein Leben lang einen Mann der alten mechanischen Welt.

00:09:21: Als die Physik in Konrad's letzten Jahren seltsam und schwindeleregen wurde….

00:09:25: als Einstein die Zeit selbst verbog und die Quantenwelt alles auf den Kopf stellte, da konnte und wollte zehn der ihr nicht folgen.

00:09:33: Er hielt an seinen eigenen handfesten Bild des Universums fest – das führte dazu, dass er am Ende ein wenig einsam war abseits der neuen großen Namen, die sich hervortaten.

00:09:45: Aber wisst Ihr was?

00:09:46: Seine Treue hat nie gewankt!

00:09:48: Nicht zur Physik, die er liebte und erst recht nicht zu seinem treuen

00:09:52: Freund.".

00:09:55: Er starb am fünfundzwanzigsten Februar, nineteenhundertneunundvierzig im Schweizerischen Oberhofen am Thuner See mit vierundneunzig Jahren.

00:10:03: Ich war bei ihm und begleitete seine Seele.

00:10:06: ein langes Leben, ein treues Herz, ein bewahrtes Andenken!

00:10:11: Wenn ihr das nächste Mal irgendwo den Namen Röntgen lest und dabei den Menschen dahinter spürt – seine Wärme, seine Bescheidenheit?

00:10:19: Dann denkt einen Moment auch an Ludwig Zehnder, denn ohne ihn wären von diesen viel weniger Erinnerungen übrig.

00:10:28: Von diesem warmen Ort reise ich nun weiter zu den anderen, die Konradsbriefe eröffneten nach Prag, nach Wien, nach Paris und bis jenseits des Ozeans.

00:10:38: manche von ihnen hielten mich länger als andere in der Hand Manche jagten mich bis ins Herz des Atoms.

00:10:45: aber das sind die nächsten Folgen.

00:10:49: Das war eine neue Folge von Glow'n-Sedag Die Geschichte der Strahlung Konzept, Recherche und Sprecherin Dorina Petersen.

00:10:56: Wenn euch die Geschichte dieser stillen treuen Freundschaft berührt hat, lasst gerne eine Bewertung da und abonniert den Podcast.

00:11:04: In der nächsten Folge reise ich weiter zu den Empfängern von Konrad's Briefen.

00:11:10: Bleibt neugierig!

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