Die Krone und der Name
Shownotes
Über Nacht gehört der stille Forscher aus Würzburg dem mächtigsten Reich seiner Zeit. Ein Telegramm aus Berlin ruft Wilhelm Conrad Röntgen an den kaiserlichen Hof – und Ray, begleitet seinen Freund in den goldenen Sternensaal des Berliner Schlosses.
Dort steht der scheue Mann im schlichten Gehrock zwischen glänzenden Uniformen vor Kaiser Wilhelm II. – einem Herrscher, der seinen verkümmerten linken Arm ein Leben lang verbirgt und ausgerechnet jene Strahlen sehen will, die jede Hülle durchdringen. Es folgen ein Orden, die Verlockung von Ruhm und Millionen, ein abgelehnter Adelstitel – und schließlich jener Abend in Würzburg, an dem die neuen Strahlen ihren Namen bekommen.
Eine Folge über Macht und Bescheidenheit – und über einen Mann, der ein Vermögen ausschlägt, weil er überzeugt ist: Licht gehört allen.
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00:00:00: Die Geschichte lehrt uns Weisheit und sie bewahrt uns jene tiefe Demut, die uns im Alltag vor Fehlenschutz.
00:00:27: Ich bin Rey – ich bin das Licht, dass ihr nicht sehen könnt!
00:00:31: In der letzten Folge habe ich die ganze Welt in Aufruf ersetzt.
00:00:35: Telegramme, Zeitungen, ein Kontinent, der den Verstand verliert….
00:00:39: Heute erzähle ich euch was das mit einem Mann macht, der über Nacht dem mächtigsten Reich seinerzeit gehört ….
00:00:46: Und wie er es fertig bringt sich dabei nicht zu verlieren….
00:00:49: Willkommen zurück Folge VIII.
00:00:52: Die Krone und der Name.
00:00:55: Wir haben Konrad unter einer Lawine aus Briefen und Journalisten zurückgelassen.
00:01:00: Eines dieser Schreiben aber war anders als alle anderen.
00:01:04: Am neunten Jahr Noah, in den letzten Jahren hat er mit ihm ein Telegramm aus Berlin aufgegeben vom Adjudanten des Kaisers mit der Einladung im Schloss vorzusprechen Wilhelm
00:01:19: II.,
00:01:19: der Deutsche Kaiser, wünscht ihm meinen Freund zu sehen.
00:01:23: Dieses Zelegramm gibt es bis heute.
00:01:25: Es liegt im Deutschen Röntgen-Museum – ein paar nüchterne Zeilen mit denen die Macht nach der Wissenschaft griff.
00:01:33: Ein anderer hätte gejubelt, Konrad aber nicht!
00:01:36: Ich habe gespürt was in ihm vorging als er die Zeilen las und es war keine Freude.
00:01:42: Er war näher am Schrecken, er war eben anders.
00:01:45: Sieben Wochen hatte er sich in einem verriegelten Labor eingeschlossen.
00:01:49: Das war ihm lieber als einen einzigen unfertigen Gedanken auszusprechen.
00:01:54: Er wog jedes Wort auf der Goldwaage ab, schon ein voller Hörsaal war ihm eine Zumutung und nun rief ausgerechnet ihn «der mächtigste Mann des Reiches».
00:02:05: Bertha sah es ihm sofort an – dieselbe Bertha deren Hand das alles besiegelte.
00:02:11: Sie sagte wenig doch dass Schweigen zwischen den beiden war schwer.
00:02:15: Sie blieb in Würzburg aber dem deutschen Kaiser schlägt man nichts ab.
00:02:20: Also ließ Konrad seinen Apparat in Kisten verpacken, widerwillig und pflichtbewusst zugleich und bestieg den Zug nach Norden.
00:02:29: Ich bin mit ihm gefahren.
00:02:30: Draußen zog das Januar-Land vorbei.
00:02:34: Karle Ecke unter niedrigem Himmel – Das rhythmische Stoßen der Räder, rußgeruch und beschlagene Scheiben.
00:02:41: Konrad saß still am Fenster die Hände im Schoß Und mit jeder Meile, die uns Berlin näher brachte, wurde er ein wenig schmaler in den Schultern.
00:02:50: Er war kein Mann für Drohne, er war ein Mann für stille Räume und geduldige Messungen.
00:02:56: Und er fuhr geradewegs ins Gegenteil.
00:03:00: Berlin empfing uns nass kalt und grau.
00:03:02: Gaslaternen spiegelten sich auf glänzendem Kopfsteinpflaster Droschgen rollten durch den Matsch und mitten in der Stadt erhob sich das Berliner Schloss.
00:03:11: Ein gewaltiger Barockbau Fenster über Fenster Gebau zu dem einen Zweck jeden klein zumachen der es betritt.
00:03:20: Man führte Konrad in den Sternensaal, hohe Wände, Gold auf Stuck und Rahmen, schwere Spiegel, in denen sich der Raum ins endlose Verfehl fachte.
00:03:29: Über allem brannten Kerzen und Lampen zu hunderten.
00:03:33: ihr Schein lag warm auf dem polierten Paket.
00:03:36: Es roch nach Bienenwachs Nach dem kalten Rauch der Kachelöfen, nach Puder-und Parfüm.
00:03:42: Auf einem Beistelltisch glänzten Silber und Kristall.
00:03:46: Jeder Zoll dieses Saales bei Machtdemonstration.
00:03:50: Und in dieses Funkeln trat mein Freund, ich wünschte er hätte ihn sehen können.
00:03:55: Konrad war groß – einen ganzen Kopf über den meisten mit vollem dunklem Bart, in denen sich mit seinen fünfzig Jahren schon grau gemischt hatte.
00:04:05: Seine Augen lagen tief, ernst ein wenig müde!
00:04:10: Er trug einen schlichten, dunklen Geroch keinen Orden keine Dresse und stand damit inmitten der schimmernden Uniformeln wie ein Stück Werktag, das sich in einen Festsaal verirrt hatte.
00:04:23: Er machte sich nicht klein.
00:04:25: Er tat auch nicht vertraut – er war schlicht er selbst und genau das war seine Würde.
00:04:32: Dann kam der Kaiser!
00:04:34: Wilhelm II.
00:04:36: war damals sechsundreißig jung noch für Sophie Macht.
00:04:40: Er trug Uniform die brustvoller Orden und über der Oberlippe jenen berühmten Schnurrbad dessen Spitzen steil nach oben gezwirbelt waren Als deuteten sie in die Zukunft.
00:04:52: Sein Blick sprang rastlos von einem zum anderen, dieser Mann konnte keine Sekunde stillhalten und ich, der ich durch jede Hülle hindurch sah bemerkte was fast alle im Saal übersahen Der Kaiser hielt seinen linken Armen sonderbar reglos am Körper.
00:05:08: Er war verkümmern und kürz als der rechte Eine Lemung, die er von seiner schweren Geburt davon getragen hatte.
00:05:15: Der Kaiser verbarg ihn sein Leben lang mit großer Kunst Mal ein paar Handschuhe in der linken Hand, mal die Hand am Griff des Sebels.
00:05:23: Mal die linke Hand von der rechten
00:05:25: gehalten.".
00:05:26: Er wandte seine ganze Sorgfalt darauf an einen Teil seines eigenen Körpers zu verbergen.
00:05:32: und ausgerechnet er hatte mich rufen lassen – Die Kraft, die jede Höhle durchdringt und zeigt was unter der Haut liegt!
00:05:39: Ich hätte ihnen vor seinem ganzen Hof ein Blößen können, hätte man mich gelassen.
00:05:44: So etwas mache ich natürlich nicht und konrat schon gar
00:05:46: nicht!".
00:05:48: Konrad baute seine Röhre auf, die Hände ruhig auch wenn sein Herz hemmerte.
00:05:53: Dann erloschen die Lichter und ich erwachte.
00:05:56: Ich ließ die höchste Gesellschaft des Reiches dasselbe sehen was Bertha wenige Wochen zuvor so erschüttert hatte wie unter dem Schirm eine lebende Hand zu einem Skelettwirt.
00:06:06: Der Saal verstummte mit einem Schlag.
00:06:08: der Kaiser beugte sich vor Und für einen Moment fiel alle Unruhe von ihm ab vom Inneren einer lebenden Hand.
00:06:20: Aber ich spürte sofort, da war noch mehr!
00:06:23: Für Wilhelm II.
00:06:24: war das nicht nur Wissenschaft – es war auch ein prächtiges Schauspiel mit dem man sich schmückte.
00:06:29: Konrad war an diesem dreizehnten Januar zum Vorzeigestück eines Drohns geworden und er trug es mit stiller Fassung.
00:06:36: Der tief beeindruckte.
00:06:37: Monarch ließ ihm noch am Hof den preußischen Kronoorden zweiter Klasse überreichen.
00:06:43: Am nächsten Abend würdigte die forstische Zeitung Die Audienz in den Höchsten Tönen.
00:06:49: Der Kaiser war so überwältigt, dass er zwei Jahre später bestimmte an einer Berliner Brücke solle ein Standbild meines Freundes stehen.
00:06:57: Neben Helmholtz, neben Gauss, neben Werner von Siemens der Scheuhe Physiker aus Würzburg in Stein gehauen zwischen den Göttern der deutschen Wissenschaft.
00:07:09: Konrad reiste wieder zurück nach Würzburger Nachdenklich und ein wenig froh das alles hinter sich gebracht zu haben.
00:07:18: Und jetzt beginnt der Teil dieser Geschichte, den ich an ihm am meisten liebe und schätze.
00:07:23: Ihr müsst wissen mit einem Mal wollte jeder ein Stück von ihm!
00:07:27: Der Präsident des Reichstags Freihärr von Buol Beerenberg lud ihm ein seine Strahlen vor dem versammelten Parlament fortzuführen.
00:07:36: Konrad lehnte ab.
00:07:38: Am dreißigsten Januar hielt ein anderer den Vortrag an seiner Stelle Ein Physiker namens Paul Spies.
00:07:45: Dann klopfte die Industrie an.
00:07:46: Kaum hatte die Berliner Zeitung über die Audienz berichtet, schickte E-Mail Ratinau der Chef des großen Elektrokonzerns AEG einen seiner tüchtigsten Ingenieure eigens nach Würzburg – Max Levy.
00:08:00: Sein Auftrag konrad die alleinige geschäftliche Verwertung das Strahlen abzuringen.
00:08:05: Levy kam höflich, konrad hörte ihn an und schickten ihn mit leeren Händen zurück nach Berlin.
00:08:13: Auch aus Amerika kamen Angebote, die ihm Millionen eingebracht hätten.
00:08:17: Auch sie schlug er aus!
00:08:18: In seinem ganzen Leben hat Konrad nicht ein einziges Patent angemeldet und als man ihm einen Adels-Titel anbot – Ein von vor seinem Namen der Traumfieler in seiner Zeit lehnte er auch das ab.
00:08:31: Er wollte kein Von Röntgen sein, er wollte Röentgen bleiben.
00:08:36: Sein Grund war uneigennützig und bewegend.
00:08:39: Konrad war überzeugt, seine Entdeckung gehöre allen Menschen und dürfte nicht durch die Patente und Verträge in die Hand einzelner Firmen fallen.
00:08:47: Er hatte mich gefunden – besitzen wollte er mich aber nicht!
00:08:50: Mein Freund schenkte mich der ganzen Welt ohne einen Fennig dafür zu nehmen.
00:08:54: Die Ehrungen kamen natürlich trotzdem in Wellen.
00:08:58: Eine der ersten war fast rührend und folgerichtig.
00:09:01: Die medizinische Fakultät seiner eigenen Universität ernannte den Physiker zum Ehrendoktor der Medizin als hätten alle längst geahnt, wem diese Strahlen einmal wirklich dienen würden.
00:09:13: Am Ende seines Lebens sollten es fünfundachtzig Auszeichnungen sein und doch lasteten sie auf ihm.
00:09:19: Jeder Orden jedes Festmal jede Rede zog ihn weiter fort von dem einzigen Ort an dem er sein wollte der Stille seines Labors.
00:09:29: nur eines konnte er nicht ausschlagen Am XXIII.
00:09:32: Januar, im Hörsaal seines Würzburger Instituts hielt Konrad den einzigen offiziellen öffentlichen Vortrag über die Strahlen, denen er je halten sollte.
00:09:43: In einem schlichten Hörsal mit ansteigenden Holzbänken einer Tafel den Geruch von Kreide und nassen Winddermindeln.
00:09:50: Er war bis auf den letzten Platz gefüllt – Physiker, Ärzte, Bürger neugierige Dichtern dichtgedrängt!
00:09:56: Den Vorsitz führte sein Kollege Karl Bernhard Lehmann.
00:10:01: Das Seltsame an dieser Situation, vor diesem schlichten Saal war Konrad nervös als vor dem Kaiser.
00:10:07: Denn hier saßen die Menschen auf deren Urteil es ihm wirklich ankam – seine eigene Zukunft!
00:10:13: Der Kaiser konnte ihm einen Orden ans Revier kleben.
00:10:16: Diese hier konnten ihn glauben oder nicht?
00:10:20: An jenem Abend machte er noch ein letztes Bild.
00:10:23: Er bat den Kreisen einer Tomen Albert von Köliker und einer der angesehensten gelehrten Europas seine Hand unter die Strahlen zu legen.
00:10:34: Eine alte Hand legte sich auf die Kassette, von Adern überzogen, leicht zitternt – und ich tat wofür ich da war!
00:10:42: Auf der Platte erschienen die klaren scharfen Knochen des alten Mannes.
00:10:46: jeder Einzelne jedes Gelenk.
00:10:49: Der ganze Saal hielt den Atem an.
00:10:52: Dann erhob sich kölliger Mit der Stimme eines Mannes, der ein langes Gelerntenleben hinter sich hatte, schlug er vor.
00:10:58: Diese Strahlen sollten nicht länger bloß X heißen – nicht länger ein Fragezeichen bleiben!
00:11:04: Sie sollten den Namen dessen tragen, der sie der Welt geschenkt hatte.
00:11:08: Die Versammlung stimmte auf der Stelle zu, einmütig begeistert.
00:11:13: Von diesem Abend an hatten meine Strahle einen Namen, den sie noch heute über die ganze Erde
00:11:19: tragen.".
00:11:20: Röntgenstrahlen Ich trage viele Namen.
00:11:25: Im Englischen heiße ich bis heute X-Race, das alte Fragezeichen.
00:11:30: Aber in eurer Sprache trage ich ihn.
00:11:33: Seine Namen verspolt mit meinem Licht in jeder Klinik, in jeder Aufnahme die irgendwo im Halbdunkeln entsteht.
00:11:41: Konrad hat das nie gewollt – sich selbst hatte er hinter einem schlichten X versteckt.
00:11:48: Es wäre ihm peinlich gewesen eine ganze Wissenschaft nach Sicht benannt zu sehen und genau deshalb hat er es verdient.
00:11:57: Hier darf Konrads Geschichte für eine Weile ruhen, das Licht, dass ich bin war längst aus Würzburg hinaus gesprungen in die Hände anderer eines Röhrenbauers in Prag, eines gelehrten Kreises in Wien, eines Mathematikers im Paris, eines Erfinders jenseits des Ozeans.
00:12:15: Erinnert ihr euch an die Briefe, die Konrad so neuer verschickt hatte?
00:12:19: An jene wenigen Männer denen er seine Bilder anvertraute?
00:12:23: Zu ihnen reise ich jetzt!
00:12:24: einem nach den anderen.
00:12:26: Jeder von ihnen trägt eine eigene Geschichte in sich und manche sind so erstaunlich wie die Seine.
00:12:34: Konrad lasse ich in seinem Labor zurück, an Bert das Seite mit der Ruhe, die ihm für einen Moment zurück gegeben ist.
00:12:41: Er hat es sich verdient Bis zum nächsten Mal.
00:12:46: Das war ne neue Folge von Glow In The Dark Die Geschichte Der Strahlung Konzept, Recherche und Sprecherin Dorina Petersen.
00:12:54: Wenn euch Konrad's Reise zum Kaiser gefallen hat, hinterlasst mir gerne eine Bewertung auf Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer ihr eure Podcast hört und abonniert diesen.
00:13:04: Nun reisen wir zu den wenigen welche die Nachricht von Conrad persönlich bekommen haben und sehen wie sie auf diese Welt Neuheit reagierten.
00:13:13: Bis zum nächsten Mal!
00:13:15: Bleibt neugierig.
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